Klappentext
Aus dem Französischen von Annina Haab. Nach einer Gewalterfahrung kehrt eine Frau an den magischen Ort ihrer Kindheit, ein Haus an der Küste, zurück. Inmitten der leuchtenden Erinnerungen kann sie die alte Haut abstreifen - aus ihrer Verletzlichkeit schöpft sie neue Lebenskraft. Sie erfährt die Mutterschaft und gibt sich einer geheimnisvollen Symbiose mit zwei Kindern hin, bis ihr schließlich auch eine neue Liebe begegnet. Während die Erzählerin um einen Weg zu sich selbst kämpft, öffnet ihr die Kunst von Édouard Vuillard und Heidi Bucher die Augen. Sie wagt es, das eroberte Gleichgewicht zu stören und gleichzeitig Frau, Mutter und Schriftstellerin zu werden.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 30.07.2026
Rezensentin Dina Netz liest dieses Buch Pierrine Pogets mit großem Interesse. Es setzt mit der Aufarbeitung einer Gewalterfahrung ein: Die Erzählerin erinnert sich an Erlebnisse mit einem Mann, dessen aggressiven Forderungen sie sich nicht entziehen konnte, der zwei Nächte lang Sex mit ihr hatte und sie schlug. Die Ausführungen der Erzählerin bleiben dabei strikt auf einer individualpsychologischen Ebene, sie denkt darüber nach, wie ihre eigene Unsicherheit über ihre Weiblichkeit dazu führte, dass sie dem Mann nichts entgegen zu setzen hatte. Soweit ist das die "Geschichte einer weiblichen Unterwerfung", meint Netz, aber das Buch geht zum Glück noch weiter. Die Erzählerin ist an den Ort ihrer Jugend zurückgekehrt und zeichnet nach, wie sie die Traurigkeit, die auf die Gewalterfahrung folgte, zu bekämpfen lernte, unter anderem in der Beschäftigung mit Kunst und Philosophie. Wobei Netz vor allem von Passagen beeindruckt ist, in denen Poget nicht über Deleuze, Berthe Morisot und andere schreibt, sondern die Erzählerin selbst sprechen lässt. Ein eingängiges Buch wird aus all dem nicht, stellt die Rezensentin klar, aber eines, an dem gerade "das Unerwartete und Assoziativ-Sprunghafte" begeistern.
Kommentieren

