Sian Hughes

Perlen

Roman
Cover: Perlen
DuMont Verlag, Köln 2025
ISBN 9783755800088
Gebunden, 272 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Tanja Handels. Marianne ist acht Jahre alt, als ihre Mutter verschwindet. Sie bleibt mit ihrem Bruder Joe und ihrem Vater in einem Haus am Rande eines kleinen Dorfes zurück, neben dem ein Fluss entspringt. Die bruchstückhaften Erinnerungen an die Liebe ihrer Mutter geben ihr Kraft: der Duft frischer Kräuter, die Spiele, die sie spielten, die Lieder und Märchen aus ihrer Kindheit, die in Mariannes Fantasie weiterleben. Doch da ist so vieles, das verborgen liegt im Dunkel ihrer eigenen Geschichte. Die drängendste Frage: Warum ist ihre Mutter gegangen, wie hat sie Marianne nur zurücklassen können? Die abwesende Mutter begleitet sie durch ihre gesamte Kindheit und Jugend, bleibt auch bei ihr, als sie längst erwachsen ist. Erst Jahre, nachdem sie selbst eine Tochter bekommen hat, beginnt Marianne, sich auf die Spur ihrer Erinnerungen zu begeben und stößt auf ein Geheimnis.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.11.2025

"Perlen" heißt der erste Roman der englischen Lyrikerin Siân Hughes - ein treffender Titel, findet Rezensentin Judith von Sternburg: Nicht nur greift er ein zentrales Motiv auf, sondern er charakterisiert diesen Roman zugleich, der sich selbst liest wie eine sorgsam aufgefädelte Kette feiner Perlen. Überhaupt ist dieses Debüt eines, in dem Form, Ton und Inhalt perfekt zusammenspielen, findet von Sternburg: In zahlreichen Rückblenden lässt Hughes hier ihre Erzählerin Marianne von deren Kindheit und Jugend erzählen, von dem "Riss", der ihre Vergangenheit in ein Davor und Danach zertrennt, von dem Umgang ihrer Familie mit dem Riss, dem gemeinsamen Leben in Trauer, lesen wir. Indem die Autorin und auch ihre Übersetzerin jede dieser Erinnerungen so plastisch und unmittelbar wiedergeben, als wäre alles gerade erst geschehen, wirken diese Rückblicke so seltsam zeitlos, wie der Ort, an dem sie sich abspielen, das ländliche Cheshire, und wie vor allem auch die unsterbliche Trauer, mit der Marianne seit dem spurlosen Verschwinden ihrer Mutter lebt. Wie Hughes die Geschichte schließlich auflöst, mag zunächst "plakativ" erscheinen, ist jedoch eigentlich nachvollziehbar und "extrem stark", findet die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.07.2025

Tief berührt bespricht Rezensent Tobias Lehmkuhl das Booker-Preis nominierte Prosadebüt der britischen Autorin Sian Hughes, die der Kritiker bisher als Lyrikerin schätzte. Gefühl für Rhythmus und Komposition erkennt der Kritiker auch in diesem Roman, der vom Weiterleben einer Tochter nach dem plötzlichen Verschwinden der Mutter erzählt. In 21 Kapiteln, den jeweils ein Reim oder ein Kinderlied vorangestellt ist,liest Lehmkuhl vom Erwachsenwerden mit Vater und Bruder, von Mager- und Drogensucht, aber auch von den mythischen Qualitäten des Hauses in der britischen Provinz, das für Hughes' Heldin zu einer Art Grabmal der Mutter wird. Besonders aber faszinieren den Kritiker die Natur- und Landschaftsbeschreibungen, die so sinnlich sind, dass er meint, den Regen zu hören und die Atmosphäre wiederzuerkennen.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 01.07.2025

Rezensent Marko Langer warnt vor: Sian Hughes' Roman "Perlen" ist nichts für zartbesaitete Seelen, unbedingt lesenswert ist er dennoch: Äußerst "poetisch" erzählt die britische Autorin von den Folgen, die der Selbstmord einer Mutter für ein junges Mädchen hat: Sie nimmt Drogen, boykottiert die Schule, verletzt sich selbst und fällt, später selbst Mutter, in eine postnatale Psychose. Besonders beeindruckend findet der Rezensent, wie die Autorin immer wieder Verbindungen zum mittelalterlichen Gedicht "Pearl" zieht. Selten wurde so eindringlich über Verlust geschrieben, meint er. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 06.06.2025

Rezensent Rainer Moritz liest mit Sian Hughes "Perlen" ein spätes Debüt, das mitunter zwar ein wenig konstruiert und stellenweise recht bemüht wirkt, und dennoch seine Wirkung nicht verfehlt. Sian Hughes erzählt darin in eindringlichen Szenen von Marianne, einer Mutter, die gemeinsam mit ihrer Tochter in ihre Heimat Cheshire zurückkehrt und dort mit Erinnerungen an ihre eigene Mutter und deren Verlust konfrontiert wird - ein Verlust, für den sie, ihr Vater und ihr kleiner Bruder nie einer Erklärung bekommen haben. Eines Tages, lesen wir, war sie einfach weg und überließ die Familie ihren Mutmaßungen und ihrem Schmerz. Immer wieder von neuem versucht Marianne, die Geschichte ihrer eigensinnigen Mutter zu erzählen, erkundet jedes der wenigen bekannten Details aus deren Leben und aus ihren eigenen Erinnerung an die Kindheit. Dass derlei Erinnerungen in Frage gestellt werden, ist in der modernen Literatur inzwischen Usus, weiß Moritz, ein Usus, den die Autorin ein wenig überstrapaziert für Moritz' Geschmack. Auch die Art und Weise, wie Hughes Zeilen eines mittelalterlichen Langgedichts mit der Landschaft ihrer Heimat verknüpft, wirkt auf den Rezensenten "gewollt" und "nebulös", führt schließlich jedoch zu einem Ende, das Moritz wiederum überrascht - im positiven Sinne.

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