Let's Talk About Feelings
Roman

Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2025
ISBN
9783462007961
Gebunden, 320 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
"Let's Talk About Feelings" feiert die Mode, das Begehren und den Aufbruch ins mittlere Alter. Marian Flanders, 41, verkauft in seiner Westberliner Boutique die vielleicht schönste Kleidung der Welt, aber finanziell erfolgreich ist der Kenting-Beach-Store nur selten. Als seine Mutter Carolina - ein einst ikonisches Fotomodel - nach langer Krankheit verstirbt, richtet Marian eine alternative Trauerfeier für ausgewählte Gäste aus. Auf dem ehemaligen Partyboot seines Vaters hält er eine entwaffnende Rede, co-formuliert von seinem besten Freund, und streut die Asche seiner Mutter auf den Wannsee. Marian glaubt, dass mit diesem Ereignis die freudlosere Hälfte des Lebens beginnt. Doch es folgt ein Jahr der Verwandlung.
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Info)
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 13.09.2025
Rezensentin Meike Feßmann gibt sich dem "Sedativum" von Roman hin, als das sie Leif Randts neues Buch - in Anlehnung an dessen eigene Formulierung - bezeichnet. Denn eine irgendwie friedliche Blase oder Realitäts-"Beule" entwerfe Randt dort, diesmal ganz ohne Sci-Fi-Beiwerk: Es geht um den "ziemlich durchschnittlichen" Marian, der ein bisschen über seine verstorbene Mutter, seine Vater- oder Onkelrolle und seine Männermode-Boutique in Berlin-Schöneberg nachdenkt; drumherum regieren Bernie Sanders und Robert Habeck, die AfD ist erst bei knapp 10 Prozent. "Das tut ziemlich gut", muss Feßmann zugeben; fast schon sieht sie in diesem bestechend gleichmütigen, deshalb "widerstandslos" durch die Welt gleitenden Middle-Ager schon "eine utopische Gestalt". Wie genau dieser "Schleier des Wohlwollens" als literarische Strategie nun zu werten ist, lässt Feßmann offen, aber in jedem Fall funktioniert sie - als ein "federleichtes Eskapismus-Konstrukt", schließt die Kritikerin wohlwollend.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.09.2025
Rezensent Paul Jandl kann sich das Gähnen nicht verkneifen: Mit seinem neuen Roman geht Leif Randt wirklich gar kein Risiko mehr ein, er verliert sich in einem "luftdichten Nirgendwo" oberflächlicher Betrachtungen. Eins muss man ihm lassen: Er kann "virtuos" Bilder komponieren, aber der Rest ist so arm an tiefergehender Reflexion, dass der Kritiker da nicht einmal mehr Satire sehen kann: Es fängt schon mit der Hauptfigur Marian an, einem Berliner Boutiquenbesitzer, der nach dem Tod seiner Mutter versucht, sein Leben in einer Mischung aus Trauer und Alltagsroutine weiterzuführen. Leif Randt entwirft eine Welt, in der Menschen weniger über innere Konflikte oder tiefere Emotionen definiert werden, sondern über Mode und Markennamen, was zu modischen "Beschreibungsexzessen" führt, denen der Kritiker wirklich nichts mehr abgewinnen kann. Diese Oberflächlichkeiten geben vor, die wahre Essenz des Menschen zu verbergen - Jandl sucht sie hier vergeblich.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 06.09.2025
Der Titel von Leif Randts neuem Roman ist für Rezensentin Julia Hubernagel schon einigermaßen irritierend, denn über Gefühle schreibt der "große Apathiker" hier eigentlich nicht, obwohl durchaus einiges passiert, bei dem man normalerweise Emotionen empfinden könnte. Sein Protagonist Marian hat eine Boutique und denkt selbst beim Begräbnis der Mutter über Marken, Konsum und Style nach: "Alles Design, Kunst ist tot", fasst Hubernagel zusammen. Diese ausufernde Beschäftigung mit Markennamen von Apple bis Androsabini könnte zeitgeistig sein, wenn sie nicht völlig inhaltsleer und profan wäre, so die Kritikerin, die dem Autor auch die Pose des kritischen Beobachters in Ermangelung kritischer Gedanken in diesem Buch nicht abnimmt. Auch in seinem Beharren auf die Vorzüge des Apolitischen weiß Randt sie in einer Zeit des zunehmenden Rechtsrucks nicht zu überzeugen, sie findet diese Haltung "ein bisschen feige und inhaltlich einigermaßen fad".
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 06.09.2025
Das Wort Knast ist in Leif Randts neuem Roman omnipräsent, erkennt Rezensent Richard Kämmerlings: Sein Protagonist Marian wird von seinem Ästhetik-Drang in Haft genommen, er hat eine Boutique, in der immer alles abgestimmt ist, Raum für eine gelingende Beziehung gibt es da nicht. Der "unvermeidlichen Schablonenhaftigkeit" dieser Figur wird mit "Hyperdifferenzierung" entgegengetreten, so Kämmerlings, der Tod der Mutter bricht in die Story ein und Marian versucht, sich zwischen Drogen, Erweckungserlebnissen auf Stadion-Klos und seiner etwas verstrahlten Familie um eine Beziehung zu kümmern, fährt der Kritiker fort. Auch die krisenhafte Politik darf in diesem Roman der "exakten Gegenwart" nicht fehlen. Zwischen Satire, Humor und Gefühlschaos bricht Randt hier aus dem Knast der Erwartungen an Popliteratur aus, schließt der zufriedene Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 05.09.2025
Wer von substanziellen Krisen und Konflikten lesen will, wer in einem Buch nach "gesellschaftlicher Relevanz" sucht oder psychologischer Tiefenschärfe, wird auch in Leif Randts neuem Roman nicht fündig werden, so Rezensent Nils Schniederjahn. Allen, die sich auf jenen seltsamen Schwebezustand einlassen können, den dieser Autor wie kein anderer zu erzeugen weiß, ist "Let's Talk About Feelings" allerdings lauwärmstens zu empfehlen. Den unverwechselbaren Stil, den Randt in seinen letzten Romanen entwickelte, hat er nun perfektioniert, so Schniederjahn. Deutlichstes sprachliches Zeichen dieser schwebenden Prosa ist die Formulierung "aber auch". Marian Flanders ist nicht alt, aber auch nicht jung, er hat keinerlei existentielle Sorgen, lebt aber auch nicht völlig sorgenfrei, und die Welt, die er bewohnt, entspricht nicht unserer Realität, ist aber auch nicht völlig fremd. Ist das schon Eskapismus, mag man sich fragen. Die Antwort des Rezensenten: Jein. Dieser Autor befreit sich und seinen Protagonisten von den großen Dramen, nicht um wegzuschauen, sondern um aus dieser utopischen Perspektive die Details in den Blick zu nehmen, die "kleinen Verschiebungen", wie Schniederjahn es formuliert. Diese Perspektive ist die große Kraft, aber auch die Schwäche des Romans, so der angesteckte Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 04.09.2025
Für Rezensentin Judith von Sternburg ist Leif Randt "Popliteratur für Menschen, die Popliteratur nicht so mögen": Im Zentrum seines neuen Romans, der in der allernächsten Zukunft spielt, steht Marian, Anfang 40, Inhaber einer Boutique, die mal besser, mal schlechter geht, er ist gleichzeitig lässig und mit seiner pop-typischen Markenfixiertheit etwas versnobt. Marian versteht sich als recht unpolitisch, und das in einer Zukunft, in der Nationallibertäre an Einfluss zunehmen. Überhaupt erkennt Sternburg in Marian den Vertreter einer Generation, die nicht bemerkt hat, dass sie inzwischen erwachsen ist. In jedem Fall folgt sie der Handlung, die sich über 14 Orte streckt und neben viel Mode auch allerhand Drogen und gescheiterte Liebesbeziehungen auftauchen lässt, gebannt. Zu "fast tausend Prozent tröstlich" erscheint ihr das Buch auch, bis sie feststellt: Es spielt leider in einem "Paralleluniversum".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.09.2025
Rezensent Lothar Müller widmet Leif Randts neuem Roman eine ausführliche Besprechung unter dem Aspekt der Mode, denn so verspricht es der Verlag: Dieser Roman feiere die Mode. Dem möchte Müller widersprechen: Vielmehr feiere der Roman "das Gefühl, modisch zu sein". Überhaupt scheint der Kritiker nicht vollumfänglich glücklich zu werden mit Randts neuestem Werk. Ein Trauerjahr lang - von Juni 2025 bis in den Sommer 2026 - folgen wir hier Modeboutique-Besitzer Marian, gerade 42 geworden, der dem Tod seiner Mutter mit einer "nicht unangenehmen Melancholie" begegnet, wie die meisten Figuren Randts in "Optionen" lebt und auch sonst Gefühle nur wohldosiert zulässt. Bald verliebt er sich in Regisseurin Kuba, die einen Film gedreht hat, für den sie durch Outlets quer durch Europa getourt ist, resümiert der Rezensent. Randts Vorliebe für Pastellfarben begegnet dem Kritiker auch hier, aber anders als etwa bei der Modeschriftstellerin Helen Hessel sind Randts Modebeschreibungen nie "anschauungsgesättigt", sondern geradezu "nüchtern", konstatiert Müller. Ganz bekommt der Autor auch das Politische der Mode nicht in den Griff, notiert der Kritiker und schließt: Die "Listen der Mode und Geheimnissen der Oberfläche" bewältigt Randt hier nicht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 30.08.2025
Romane über tote Mütter gibt es ebenso viele wie über Berliner Yuppies, hält Rezensentin Susanne Romanowski bezüglich Leif Randts neuem Roman fest, in dessen Zentrum der 41-jährige Marian Flanders steht. Seine Mutter ist gerade gestorben, aber ansonsten bewegen sich seine Gefühle "im Spektrum lauwarm bis okay", erfahren wir, eigentlich ist er recht langweilig, verbringt seine Midlife-Crisis damit, gefakte Kleidung in seiner Boutique zu verkaufen und ein paar harmlose Romanzen zu erleben. Der poptypische Fokus auf Konsumgüter sorgt manchmal für Momente, in denen doch Trauer und "etwas Dunkles" durchblitzen, wie Romanowski versichert, ihr sagt der Roman mit seiner Sogwirkung und der Frage, ob keine Probleme haben wirklich so toll ist, zu.