Carys Davies

Das Pfarrhaus

Roman
Cover: Das Pfarrhaus
Luchterhand Literaturverlag, München 2026
ISBN 9783630876757
Gebunden, 320 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Eva Bonné. Hilary Byrd, Bibliothekar aus dem englischen Petts Wood, ist an einem Wendepunkt in seinem Leben. Anfang 50 und unverheiratet muss er sich von einem Zusammenbruch erholen. Und so reist er in einem Akt mutiger Verzweiflung nach Indien, wo die Hitze den Mann bald in die Berge treibt. An einen wunderschönen Ort inmitten von Teeplantagen - einer "hill station", wo einst britische Kolonialbeamte in kühler Bergluft ihre Sommerfrische verbrachten. Dort wird Hilary Byrd von einem Pfarrer aufgenommen - und schließt zwei ungewöhnliche Freundschaften. Mit einem Einheimischen, der ihn in seiner Rikscha herumfährt. Und mit der jungen Haushälterin des Pfarrers - einer klugen, stillen Frau aus der christlichen Minderheit des Ortes. Doch bald gibt es Probleme. Inmitten des scheinbaren Idylls gibt es offenbar Dinge, die der schlaksige Englänger nicht versteht. Probleme, die er nicht bemerkt. Unversehens ist die Bühne bereitet für eine stille Tragödie.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 03.08.2026

Rezensentin Sylvia Staude kann den traurigen Protagonisten von Carys Davies' im englischen Original 2020 erschienenen Roman nicht vergessen. Dass der Band jetzt in Eva Bonnes "feiner" Übersetzung auf Deutsch vorliegt, freut Staude, auch wenn der Held ein Loser ist, der auf Abwegen im Indien der frühen 2010er versucht, einen Platz im Leben zu finden. Untergebracht in einem Missionarshaus, sieht sich der Held bald auf Heiratswegen, staunt Staude. Davies' Stil, sparsam, dezent, präzise, gefällt Staude gut, nicht zuletzt, weil er die Leserin zum Nachdenken über die Beweggründe der Figuren anregt, wie Staude erklärt. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 20.06.2026

Zu diesem neuen Roman wurde Carys Davies durch die frühen, von Ausschreitungen geprägten Jahre der Modi-Regierung in Indien angeregt, weiß Rezensent Michael Schmitt: Es geht um den  Bibliothekar Hilary Byrd, der kurz vorm Burnout steht und eine überstürzte Reise nach Indien unternimmt. Er irrt von Stadt zu Stadt, Davies hat sich teils ironisch in die literarische Tradition der Indienreise eingeschrieben, vergleichbar etwa mit George Orwell oder Rudyard Kipling. Dabei zeigt sie dir fortlaufende Spannungen zwischen Bevölkerungsgruppen und verschiedenen Religionen, so Schmitt. Byrd kommt bei einem Pfarrer unter, Erholung findet er aber in Indien wenig, dafür ein komplexes soziales Netz, das Davies gelungen  durch multiperspektivisches Erzählen abbildet. Die Beziehungen zu Priscilla, dem Waisenkind, dessen sich der Pfarrer angenommen hat, und zu einem alten Rikschafahrer machen für Schmitt den Reiz dieses so behutsamen wie lustigen Romans über Hoffnung, Ängste und Träume aus.

Beliebte Bücher

Juli Zeh. Pony Show - Roman. Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Juli Zeh: Pony Show
Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet…
Anne Carson. Rot - Zwei Romane in Versen. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2019.Anne Carson: Rot
Aus dem amerikanischen Englisch von Anja Utler. Der rote Junge Geryon ist unsterblich in Herkules verliebt, der dem Jüngling nicht zu widerstehen vermag. Auf dem Höhepunkt…
Shida Bazyar. Die Lücken - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Shida Bazyar: Die Lücken
Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…
Anne Carson. Der bittersüße Eros. Turia und Kant Verlag, Wien, 2020.Anne Carson: Der bittersüße Eros
Aus dem nordamerikanischen Englisch von Christina Dongowski. Es war eine Dichterin, Sappho, die dem Eros das paradoxe Attribut "bittersüß" gab. Dies geschah in der Zeit,…