Philipp Ther

In der Mitte der Gesellschaft

Operntheater in Zentraleuropa 1815-1914. Habil.
Cover: In der Mitte der Gesellschaft
Oldenbourg Verlag, München 2006
ISBN 9783486579413
Gebunden, 465 Seiten, 39,80 EUR

Klappentext

Die Operntheater waren im 19. Jahrhundert politische und soziale Treffpunkte, Orte der Hochkultur und der Massenunterhaltung sowie der Konstruktion von Nationalkulturen. Philipp Ther untersucht exemplarisch drei Typen von Operntheatern: die höfische Semperoper in Dresden, das adelig geprägte Polnische Theater in Lemberg und das bürgerliche Tschechische Nationaltheater in Prag. Diese drei Opernhäuser waren von zentraler Bedeutung für die Entwicklung der deutschen, polnischen und tschechischen Oper. Ebenen des Vergleichs sind die soziale Funktion und Organisation der Häuser, ihr Publikum, ihre soziale Reichweite, ihre Repertoires und Aufführungspraxis. Thers Studie kombiniert Methoden des historischen Vergleichs mit dem Ansatz des Kulturtransfers und verbindet Sozial-, Kultur- und Musikgeschichte.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 21.04.2007

Instruktiv scheint Ralph Bollmann dieses Buch Philipp Thers über die politische und soziale Funktion des Opernhauses. Besonders gelungen findet er die Untersuchung der Geschichte des Opernhauses Prag, das für ihn das interessanteste von Thers drei Fallbeispielen ist. Hier gelingt es dem Autor in seinen Augen, eindrücklich zu zeigen, wie eng die Bildung einer politischen Nation und die Entstehung eines Nationalbewusstseins mit der Geschichte der Oper verbunden ist. Auch den Vergleich von Prag und Lemberg hält Bollmann für aufschlussreich. Weniger angetan ist er vom dritten Fallbeispiel, der Dresdner Hofoper. Thers "strikt sozialgeschichtliche" Versuchsanordnung mit Dresden als Oper des Hofs, Lemberg als Bühne des Adels, Prag als Theater des Bürgertums erweist sich nach Bollmanns Ansicht in der Durchführung letztlich "als wenig ergiebig", unterlagen doch alle drei Häuser unabhängig von der Trägerschaft denselben Modernisierungszwängen.

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