Aus dem Russischen von Klaus Linder und anderen. Der Komponist und Musiktheoretiker Philip Herschkowitz, 1906 im rumänischen Jassy (Iasi) geboren, kam 1927 nach Wien und nahm dort bei Alban Berg, Anton Webern und Hermann Scherchen Unterricht. 1939 musste Herschkowitz über Bukarest in die Sowjetunion fliehen, wo er ab 1946 in Moskau lebte. Als Vertreter der in der UdSSR unerwünschten Zwölftonlehre führte er dort ein isoliertes und auswegloses Leben: An den Konservatorien durfte er nicht unterrichten, seine Werke wurden nicht aufgeführt. Sein Ruhm als Vertreter der Schönbergschen Methode und als Webern- und Berg-Schüler zog jedoch viele junge Komponist:innen und ausübende Künstler:innen an, denen er privat Unterricht erteilte. Philip Herschkowitz' musiktheoretischen Schriften sind von herausragender Bedeutung und vor allem für das Verständnis der Quellen und der Tradition der Schönbergschen Methode wesentlich. Sie sind in diesem Band erstmalig in deutscher Übersetzung veröffentlicht, zusammen mit einer Auswahl an biografischen Texten und Korrespondenz, sowie einer Übersicht über sein kompositorisches Werk.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.12.2025
Eine "verlegerische Großtat" nennt Rezensent Andreas Meyer dieses Buch, das Schriften von und über Philip Herschkowitz, einem weithin vergessenen Musiktheoretiker, vereint. Herschkowitz wurde in Rumänien geboren, später lebte er in Wien, studierte bei Berg und Webern, nach Beginn des Zweiten Weltkriegs flüchtete der Jude Herschkowitz aus Österreich und landete schließlich in Moskau, wo er sich ebenfalls antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt sah und nur sehr gelegentlich Anschluss an die örtlichen Musikdiskurse fand. Meyer weist auf einige besonders interessante Schriften im Band hin, zum Beispiel finden sich Briefwechsel mit dem amerikanischen Komponisten George Perle und auch mit Heinrich Böll. Zentral für das Buch, fährt Meyer fort, sind jedoch Herschkowitz' Schriften zur Musiktheorie, die teils noch über Schönberg hinaus gehen in ihrem Abschied von der Tonalität, viele dieser Texte waren bislang, wenn überhaupt, nur auf Russisch greifbar. Auch ein Werkverzeichnis der Kompositionen Herschkowitz' findet sich in dem Band, schließt ein sehr angetaner Rezensent.
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