Gisela von Wysocki

Wir machen Musik

Geschichte einer Suggestion
Cover: Wir machen Musik
Suhrkamp Verlag, Berlin 2010
ISBN 9783518422083
Gebunden, 260 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Der Vater, ein Pionier der frühen Schellack-Kultur, holt in den zwanziger und dreißiger Jahren die Tanz- und Varieteorchester Berlins ins ODEON-Aufnahmestudio. Später, in der Nachkriegszeit, bringt er jeden Abend aus der Stadt eine neue schwarze Scheibe mit, aus der zum Schrecken der Tochter laute Musik ertönt. Der Vater erscheint ihr als Zauberer, der Opernsänger, Pianisten und ganze Orchester in das winzige Format der Schallplatte zwängen kann. Nichts interessiert die Tochter mehr, als herauszufinden, was es mit der geheimnisvollen, väterlichen Welt der Musik auf sich hat. Deshalb nimmt sie Klavierunterricht, studiert mit dem Vater Couplets und kleine Tänze ein und versucht sich als Kinderstar, scheitert aber auf skurrile Weise mit jedem dieser Versuche. Sie muß sich also etwas anderes einfallen lassen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.01.2011

Walter Hinck ist das Lesevergnügen anzumerken, das ihm die essayistische Lebens- und musikalische Bildungsgeschichte von Gisela von Wysocki beschert hat. Allerdings: Schwelgen im Nachkriegsschlagereinerlei ist nicht. Stattdessen merkt Hinck rasch, wie die Autorin eine kritische Gegenposition entwickelt gegenüber gefälligen Ohrwürmern und einem Vater, der derlei verkauft. Etwas sprunghaft erscheint ihm der Gang der Erzählung, aber die Balance aus Philosophischem, Musikwissenschaftlichem (Wysocki studierte bei Adorno) und Konkretem, erzählt mit einigem Schwung, überzeugt ihn zuletzt.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.10.2010

Mit Begeisterung hat Verena Auffermann diesen autobiografischen Roman aufgenommen, der aus ihrer Sicht von dem unbestechlichen Blick der Autorin lebt, ihrem absolut stilsicheren Flirren zwischen Tragik und Komik. Es handele sich, so die Kritikerin, um eine hinreißende Familienstory in einem musikbesessenen Haus im Nachkriegsberlin ebenso wie um eine Expedition ins Zwischenreich von Innen- und Außenwelt. Nebenbei zeichne der Roman auch noch ein Bild der frühen Unterhaltungsindustrie und die Wendungen, die sie durch Hitlerdeutschland, Krieg und Nachkriegszeit erfuhr. Im Mittelpunkt stehen, so die Kritikerin, die Eltern der Erzählerin: ein von der Platten besessener Vater und eine singende Mutter - beobachtet von einem Kind, das sich erzählend durch das Reich der Familienungeheuer tastet. Mit Hingabe beschreibt die Kritikerin die "unverwechselbar pointierte" Sprache der Autorin, wo für ihr Ohr nichts "ausgeleiert" oder "selbstgefällig" klingt, sondern stets nur "sprühender Elan" spürbar wird. Und ein von der Kulturindustrie vereinnahmter und ausgebeuteter Hunger nach Leben.
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