Petr Hruska

Und ich sah mein Gesicht

Gedichte
Cover: Und ich sah mein Gesicht
Voland und Quist Verlag, Dresden und Leipzig 2026
ISBN 9783942375849
Broschiert, 72 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Tschechischen von Martina Lisa. Am 8. September 1522, nach drei Jahren zermürbender Fahrt auf hoher See, erreichte das letzte geschundene Schiff der großen Magellanschen Flotte Sevilla. Am Tag genau 500 Jahre später erschien in Tschechien sein Gedichtband "Spatřil jsem svou tvář" (dt. "Und ich sah mein Gesicht"), in dem Petr Hruška eine fiktive Schiffsreise beschreibt. Inspiriert von Antonio Pigafettis Reisebericht von der ersten Umsegelung der Welt nimmt uns der Dichter mit auf eine poetische Reise, losgelöst von Zeit und Raum. Das Schiff - ein Bild, das wir bereits aus früheren Gedichten kennen - trägt und bestimmt die Reise, auch metaphorisch. Ist das Boot, in dem wir alle sitzen, stabil genug, um uns weiter zu tragen? Was hat das Kirchenschiff mit unserem Glauben zu tun? Steht die Menschheit am Anfang? Am Ende? Oder drehen wir uns, gefangen auf einem Narrenschiff, immer nur im Kreis? 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 21.05.2026

Petr Hruška ist für den Rezensenten Nico Bleutge "ein poetischer Schamane des Details" und auch in seinem neuen Gedichtband enttäuscht er den Kritiker nicht. In "einer Art Rollenpoesie" versetzt sich der Lyriker in den Kopf des italienischen Adligen und Schriftstellers Antonio Pigafetta, der Magellan auf seiner Weltumseglung begleitete und seine Erlebnisse in einem literarischen Reisebericht festhielt. Der Kritiker ist begeistert von den präzise beobachteten Kleinigkeiten, die Hruška hier lyrisch verarbeitet, Schnipsel der fremden Sprache, poetische Alltags-Details und Schilderungen des Lebens und Reisens auf See. Das "Raffinierteste" allerdings ist, wie sich der Autor dem Thema der Kolonisierung nähert, zum Beispiel indem er Pigafetta in einem angefügten Langgedicht direkt anspricht und die Gewalt der Kolonisatoren thematisiert. Sprachlich ist das ganze ein Genuss, versichert Bleutge, außerdem gekonnt übersetzt von Martina Lisa - lediglich eine zweisprachige Ausgabe hätte sich der Kritiker gewünscht, wie er schließt. 

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