Auf dem Marché d'Aligre, einem quirligen Markt sinnlicher Genüsse und multikultureller Begegnungen nahe der Bastille in Paris, hat Peter Stephan Jungk gefunden, wonach er sein Leben lang gesucht hat: einen Ort der Aufgehobenheit. Heimweh plagt ihn, als er für Monate in Ohio eine Gastprofessur annimmt. "Enfin!" Wie ein verlorener Sohn wird er bei seiner Rückkehr von Hamza, Min, Habib und anderen Markthändlern begrüßt - Heimatlosen, aus Algerien, China oder Tunesien, die ihm trotz ihrer so fremden Lebensvorstellungen vertraut wie eine Familie sind. Ihre Geschichten, Hoffnungen, Sehnsüchte und Enttäuschungen rufen in ihm Erinnerungen an die eigene Unbehaustheit wach, die er dachte, überwunden zu haben.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 24.07.2021
Rezensent Helmut Böttiger ist fasziniert vom facettenreichen Buch von Peter Stephan Jungk, der als Kind ständig mit seinen Eltern umzog und so in Los Angeles, Wien und Paris wohnte. Sein Buch über den Marché d'Aligre nun sei zum einen eine "Klang-Bild-Collage" aus Satzfetzen und visuellen Impressionen, feiere zum anderen in der Vielseitigkeit des Markts aber auch das Nicht-zuhause- und Zwischen-den-Welten-Sein, staunt Böttiger. Zusätzlich liefere Jungk eindrückliche Personenporträts (ein grummeliger Bretone, ein Wildmetzger, eine Cafébesitzerin), und bette "raffiniert" autobiografische Erinnerungen wie an die kurze Freundschaft mit dem damals noch unbekannten Charles Bukowski ein. Am Ende eine große Allegorie des Lebens, so Böttiger, die den Rezensenten in ihrer Sogwirkung einnimmt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.05.2021
Rezensentin Sandra Kegel besucht mit dem weitgereisten Peter Stephan Jungk und seinem Erzähler den Sehnsuchtsort des Autors, den multikulturellen Marché d'Aligre in Paris. Was sie dort zu sehen bekommt und wie Jungk das Gewimmel des Marktes und seine Charaktere beschreibt, macht ihr großen Spaß. Als Memoir bzw. autofiktionale Milieustudie gefällt ihr der Text so gut, weil Jungk nicht den Mythos Paris befeuert, sondern lieber von Markstand zu Marktstand flaniert, mit den Marktfrauen und -männern ans Thema Heimat rührt und auch Schattenseiten beleuchtet. Ein bisschen wie Louis-Sebastien Mercier, findet Kegel.
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