Ein globaler Mindestlohn von 1 Dollar pro Stunde würde die Schande menschenunwürdiger Armut in kürzester Zeit und weltweit in die Geschichtsbücher verbannen. Ein ganzes Bündel weiterer Menschheitsprobleme würde mit verschwinden: Flucht, Unterernährung, kriegerische Konflikte und Umweltzerstörung. Die gesamte Menschheit könnte vom ersten wirklich sozialen Weltwirtschaftswunder enorm profitieren. Denn ein solcher Mindestlohn wird das Einkommen von mehr als einer Milliarde Menschen über Nacht mehr als verdoppeln. Das Geld würde in mehr und bessere Ernährung fließen, in den Zugang zu Energie und zur digitalen Welt. Die Armen hätten plötzlich menschenwürdige Entwicklungsperspektiven in ihrer Heimat - was auch unserer Wirtschaft und Gesellschaft zugutekäme.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.12.2016
Friederike Bauer hat große Zweifel, ob sich die von dem Unternehmensberater Georgios Zervas und dem Zukunftsforscher Peter Spiegel in diesem Buch enfaltete Idee vom Mindestlohn für alle durchsetzen ließe. Finanziert als globale Konsumsteuer und wettbewerbsneutral, könnte die Ein-Dollar-Idee der Armut weltweit ein Ende bereiten, träumt die Rezensentin zwar zusammen mit den Autoren, allerdings wacht sie unsanft auf, wenn sie an die Umsetzung der Idee denkt. Dass ausgerechnet die für ihre Trägheit berüchtigten UN den Mindestlohn für alle in absehbarer Zeit beschließen könnten, scheint Bauer kaum vorstellbar. Ebensowenig glaubt sie an die von den Autoren beschriebene zentrale Kontrolle der Abgabe durch die Internationale Arbeitsorganisation und die EU als Vorreiter. Obgleich eingängig und mitunter originell geschrieben, hat das Buch für Bauer letztlich eher Kampagnencharakter.
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