Wer kennt das nicht: Nackte und Kopulierende auf der Bühne, dazwischen jede Menge roter Farbstoff - man weiß nur nicht: wieso! Schlimmer noch: Hinterher soll man auch noch etwas Kluges darüber sagen. Ob Skandalinszenierungen oder langweilige Routine, es gibt viele Gründe, den Theaterbesuch aus dem Terminkalender zu streichen - oder wie es Roland Barthes einmal sagte: "Ich habe das Theater immer sehr geliebt, und dennoch gehe ich fast nie mehr hin." Damit aus der Last wieder eine Lustbarkeit wird, will uns Peter Michalzik mit seinem aufwändig illustrierten Buch zum Theater verführen. Er erklärt, warum "Ödipus" ein Krimi ist, wie man sich eine Eintrittskarte für ausverkaufte Vorstellungen besorgt und warum ein bisschen Skandal nicht schaden kann. Aber auch den Zuschauer nimmt er sich vor. Wie soll man sich in Foyer und Parkett verhalten? Wie das alte Selbstverständnis zurückerobern?
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.06.2009
Thomas Leuchtenmüller lässt sich von der Begeisterung des Frankfurter Theaterkritikers Peter Michalzik anstecken, der mit seinem Buch in theatermüden Zeiten neue Leidenschaft für die "vergänglichste der Künste" schüren will. Und so sind es nicht die Informationen und die kenntnisreichen Einblicke, die der Autor in Inszenierungen, Stücke, oder Schauspieler gewährt und schon gar nicht der "nicht uneitle Plauderton" dieser Polemik gegen Theaterhasser. Es ist die pure "Leidenschaft", die Leuchtenmüller für dieses Buch einnimmt.
Als lobenswerte "Fanrekrutierungsmaßnahme" lobt Rezensentin Anne Peter das Theaterbuch des Chefkritikers der Frankfurter Rundschau. Dessen wesentliche Botschaft sei: ein Theaterbesuch mache Spaß, weshalb er auch nur über Theaterphänomene schreibe, die ihn persönlich beglücken und persönliche Theaterärgernisse beiseite lasse. Zu den behandelten und gepriesenen Phänomenen zählen der Rezensentin zufolge die vom Autor bevorzugten Regisseure, deren Arbeitsweise er höchst anschaulich zu machen verstehe. Als Beispiel führt die Rezensentin den Autor-Regisseur Rene Pollesch sowie Frank Castorf an, der eine neue Schauspielweise erfunden habe. Aber auch Peter Michalziks Lieblingsschauspieler Joachim Meyerhoff sei zu entdecken. Allerdings betrachtet die Rezensentin das Buch im Wesentlichen als "Fort- und Festschreibung eines bestimmten Kanons". Das Buch strebe dabei weder Theorie noch Tiefgründigkeit an, sondern handele auch von Theaterbegleiterscheinungen wie Parketthustern, Theaterschlaf und Dramatikerförderung. Über kleine Unschärfen und kumpelhafte "Wir"-Form sieht die Rezensentin großzügig hinweg.
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