Peter Henning

Die Ängstlichen

Roman
Cover: Die Ängstlichen
Aufbau Verlag, Berlin 2009
ISBN 9783351032678
Gebunden, 496 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Über Taunus und Rhön gehen sintflutartige Regenfälle nieder. Sie sind Vorboten eines Orkans, der die Familie Jansen mit aller Zerstörungskraft trifft: Weil Johanna Jansen, die 78-jährige Patriarchin, in ein Wohnstift ziehen will, möchte sie ihre Kinder noch einmal um sich versammeln. Doch der Lebensabend wird für sie zur Sonnenfinsternis: Plötzlich verschwindet ihr Lebensgefährte, und ihr ältester Sohn sieht sich von einer tödlichen Krankheit bedroht, während sein jüngerer Bruder aus der Psychiatrie flieht. Auch Johannas Tochter begibt sich auf eine Reise, die für sie und ihren untreuen Mann zur Tortur gerät, derweil ihr Enkel um die Liebe seines Lebens kämpft. Als die Jansens ein letztes Mal zusammenfinden, ziehen erneut dunkle Wolken auf. Es sind die Schatten des Kleinmuts und der Angst, der Geltungssucht und Lieblosigkeit - die Schatten einer Familie.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.2009

Familie – das scheint für Peter Henning eine Ansammlung von Monaden zu sein, die sich fremd und gleichgültig sind. Oder streiten. Rezensent Burkhard Müller jedenfalls findet die Kümmernisse und der Familie in diesem Buch viel zu isoliert dargestellt, als dass sich daraus ein veritabler Familienroman ergeben würde. Im Zentrum steht die 78-jährige Johanna, die noch einmal ein großes Familienfest wünscht, bevor sie in eine betreute Wohnanlage zieht, fasst Müller zusammen, der das als handlungstragendes Konstrukt ein bisschen schütter findet. Der Rezensent stört sich daran, dass die Figuren mit ihren mannigfaltigen Sorgen alle so "vor sich hinwursteln" und hauptsächlich durch die Gleichzeitigkeit ihrer Handlungen verbunden sind. Auch der Stilwille des Autors sorgt seiner Ansicht nach eher für Längen als für Erleuchtung. In einer durchaus überraschenden Wendung bescheinigt Müller dem Roman aber dann doch ein "fesselndes" Buch zu sein. Vor allem, weil der Autor "erkennbar etwas will", nämlich eine heutige Familie darstellen, "und stur daran festhält". Henning begegne seinen - nicht unbedingt sympathischen - Figuren mit "bedingungsloser Liebe", und das, so scheint es, macht für den Rezensenten die Mängel mehr als wett.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.09.2009

Ein Buch voller passiver, leidenschaftsloser, vor sich hin wurstelnder und auch noch verschwisterter und verschwägerter Wohlstandskrüppel und "Visionsverweigerer" im tristen Hanau. Nur gut, dass Peter Henning ein so "souveräner Stilist" ist. Auf die Weise wird der Mangel an sympathischen Identifikationsfiguren aufgewogen durch eine kunstvolle Verschachtelung der mannigfachen Ebenen, auf denen der Autor sein Personal geradezu veristisch, wie Rezensent Oliver Jungen staunt, darstellt, ohne jedoch dem "Strukturzusammenhang Familie" zuzuarbeiten. "Buddenbrooks 2.0", versichert Jungen, kommt dabei nicht zustande. Aber ein vergnügliches Stück Literatur samt Innensicht einiger exemplarischer Junkies der Marktmoderne, die der Autor zur Freude des Rezensenten schließlich in die "aufregende Unsicherheit des Lebens" durchstarten lässt.
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