Peter Fuchs

Der Sinn der Beobachtung

Begriffliche Untersuchungen
Velbrück Verlag, Weilerswist 2004
ISBN 9783934730762
Broschiert, 135 Seiten, 15,00 EUR

Klappentext

Peter Fuchs setzt in einem Tractatus, der formal orientiert ist an dem Tractatus logico-philosophicus von Ludwig Wittgenstein, die Schlüsselbegriffe der Systemtheorie einer Art Säurebad aus, um den Ballast der Erzählung, die durch die Begriffe möglich wird, und mitunter auch die Patina dieser Erzählung aufzulösen. Beobachtung, Medium und Form, Komplexität und Kontingenz, System und Differenz, Autopoiesis, Sinn, Struktur, Geschlossenheit und strukturelle Kopplung, Interpenetration, Gedächtnis, Kommunikation, Bewusstsein, Inklusion/Exklusion - Person - so heißen die Kapitel dieses Buches. Es ist eine Herausforderung - an die Freunde, an die Feinde der Theorie.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.06.2005

Rezensent Klaus E. Müller kann mit Peter Fuchs' im Gefolge von Wittgenstein und Luhmann angestellten Überlegungen zum "Sinn der Beobachtung" nicht allzu viel anfangen. Dabei müht er sich redlich, dem Text in Punkto Abstraktheit in seiner Besprechung nicht nachzustehen - was er bei Fuchs wiederum kritisiert: dessen Diktionen seien ihres mangelnden Empiriebezugs wegen weder überprüfbar noch erklärten sie irgend etwas. Er sieht bei Fuchs' Text eine "gewisse Verkündigungsattitüde" am Werk. "Die lapidaren Dikta suggerieren Gehalt", moniert Müller, "der sich angesichts ihrer hyperbolischen Kürze allerdings nur schwer erschließt". Bleibt für ihn die Frage, an wen sich Fuchs' Sätze eigentlich richten. "An Leute, die ihr Genügen in gedanklichen Glasperlenspielen finden?", fragt Müller und bringt noch eine zweite Möglichkeit ins Spiel: "Oder handelt es sich um eine Art entdialogisierte Imaginationsphilosophie, ein immerzu fortgesponnenes Selbstgespräch auf dem Weg nach innen, in dekonstruierte Versunkenheit?"

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.09.2004

Die einen werden dieses Buch "wunderbar" finden, die anderen werden es als "zu abgehoben, abstrakt, antihumanistisch" verteufeln, meint Rezensent Walter Grasnick über das neue Werk des Systemtheoretikers Peter Fuchs, einem Meisterschüler Luhmanns. Grasnick selbst, daran lässt er keinen Zweifel, findet es einfach "wunderbar". Die Begriffe - Kommunikation, Bewusstsein, Autopoiesis, Geschlossenheit etc. -, die Fuchs in dreizehn kleinen Kapiteln unter Verzicht auf Fußnoten und jeden wissenschaftlichen Apparat untersucht, erscheinen ihm wie ein "who's who der Systemtheorie". Radikal treibe Fuchs die Deontologisierung der Welt voran und stelle damit Altvertrautes auf den Kopf. Sinn beispielsweise erscheine nicht länger als vorfindbare, irgendwo festgemachte Entität; er könne nicht ontologisiert werden, liege nicht vor, sei nicht da; er müsse betrieben werden. Ein Punkt, gegen den sich nach Grasnicks Einschätzung vor allem Richter und Dogmatiker des Rechts sträuben werden, die ja von der Such nach dem Sinn im Gesetz leben. Auch wenn Grasnick einräumt, dass die Lektüre des Bandes keine leichte Kost ist, hält er das Werk für so "literarisch lustvoll", "dass selbst ein hartgesottener, bärbeißiger Alteuropäer sich verführt sehen könnte - und sollte -, das ihm bislang fremde systemtheoretische Terrain zumindest versuchsweise zu betreten." Der Rezensent wartet jedenfalls schon sehnsüchtig auf das nächste Buch von Fuchs.
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