Peter Carey

Wrong about Japan

Eine Tokioreise
Cover: Wrong about Japan
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2005
ISBN 9783100102270
Gebunden, 141 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Eva Kemper. Lernen Sie endlich das andere, das wahre Japan kennen: nicht das der Tempel und Teehäuser, sondern das Japan der Pocemons und Animes, der Schwerter und Roboter. Hinter den schrillen Mangafiguren mit überdimensionalen Wimpern entdecken Peter Carey und sein zwölfjähriger Sohn Charley nicht nur die Erfinder der gezeichneten Geschichten, sondern auch, dass Japan immer anders ist als man denkt - ein digitales Spiegelkabinett. Ihre Tokioreise wird zum Wechselbad der Kulturen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.11.2005

Der Rezensent Kolja Mensing liest gerne Mangas; eine Leidenschaft, die er mit dem Booker-Preisträger Peter Carey und dessen Sohn Charley teilt. Allerhand japanisches Fachvokabular aus dem Manga-Universum ist zu bewältigen, folgt man der Expedition die Vater und Sohn unternehmen, um sich in Japan vor Ort von Zeichnern und Regisseuren in die Geheimwissenschaft der Bildergeschichten einweihen zu lassen. Angesichts "grundsätzlicher Schwierigkeiten beim Überschreiten kultureller Grenzen" muss das Vorhaben allerdings scheitern. Ständig kommt es zu Missverständnissen in der westlichen und fernöstlichen Manga-Interpretation. Carey muss einsehen, dass er sich in seinen Annahmen "wrong about Japan" befindet. Aus dem literarischen Reisebericht wird schließlich ein Essay, der das amerikanisch-japanische Verhältnis ebenso streift wie die japanische Kultur im Allgemeinen. Den Ursprung der "feinen Unterschiede" genau zu verorten, so Rezensent und Autor, ist im globalen popkulturellen Feld nicht mehr möglich. Fazit: "Das Spiel der Differenzen ist nicht einfacher, sondern eher komplizierter geworden."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.10.2005

Peter Carey ist in die "Exotisierungsfalle" geraten, urteilt Steffen Gnam. Dabei wollte er doch einen Blick hinter die japanischen Kulissen werfen, wo die ewige Tradition und die verschärfte Postmoderne miteinander ringen. Er fuhr, begleitet von seinem Sohn, nach Tokio, schaute hier und dort, nahm wahr und reflektierte, "über Samurai und Salariman, Miyazaki und Walt Disney, Tatami und Minimalismus", und machte daraus einer Mischung aus Fiktion, Essay, Reisebericht, Sach- und Tagebuch. Doch leider ist er den Oberflächenreizen erlegen - je länger er schaut, desto weniger sieht er klar, desto mehr ergeht er sich in "Platitüden, Mystifizierungen und Klischees". Und am Ende, so der enttäuschte Gnam, bleibt nur ein greller Manga in Sprache, ohne "reisephilosophischen Mehrwert".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.10.2005

Auf seiner Reise auf den Spuren der japanischen Kultur interessiert sich der australische Autor Peter Carey weder für das "traditionelle" noch für das "touristische Japan", sondern in "asketischer Beschränkung" allein für den Manga-Kult, stellt Ralf Hertel fest. Dem "Nachhall des Kriegstraumas in der Subkultur" wolle der Autor nachforschen, allerdings gelinge ihm das nur zu einem kleinen Teil, lässt der Rezensent wissen. Das Land, das er ausschließlich in Tokio erkundet, bleibe Leser wie Autor vollkommen "fremd", ein einziges "Missverständnis", erklärt Hertel, der das Buch als "Chronik" dieses Scheiterns liest. Einen Nutzen haben die Aufzeichnungen dennoch, und zwar dann, wenn man sie als "Parabel über sentimentales und naives Reisen" auffasst. Denn allein dem mitreisenden Sohn Careys gelinge es nach Auskunft Hertels, wirklich in "Berührung" mit dem Land zu treten, weil er nichts ergründen will, sondern sich Japan ganz unbefangen und ohne fest gefügte Vorstellungen nähert. Zum anderen aber sei das "Scheitern" des Autors "lehrreich", weil es nahe legt, dass Japan gar nicht verstanden werden will und sich möglicherweise gerade über seine eigene "Fremdheit" definiert, wie der Rezensent spekuliert.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.09.2005

Mit einiger Skepsis betrachtet der LL zeichnende Rezensent die Behauptung des Autors, mit seinem Ansatz - er will seinem 12-jährigen Sohn das wahre Japan zeigen, dementsprechend spielen Mangas eine größerer Rolle als Teehäuser - ein weniger klischeebeladenes Buch über Japan geschrieben zu haben: "Die neuen Klischees sind nicht unbedingt authentischer als die alten." Trotzdem, gesteht er zu, ist ein "informativer Reisebericht" entstanden. Auch wenn nach Meinung des Rezensent einige Beschreibungen - zum Beispiel die des "otakus", eines sozial verarmten "Informationsjunkies" - überspitzt und unrealistisch sind, findet sich doch einige fundierte Recherchen, zum Beispiel zum Brandbombenkrieg gegen Japan.
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