Paul Veyne

Palmyra

Requiem für eine Stadt
Cover: Palmyra
C. H. Beck Verlag, München 2016
ISBN 9783406692376
Gebunden, 127 Seiten, 17,95 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Anna Leube und Wolf Heinrich Leube. Mit Khaled al-Asaad hat die Welt einen ihrer großen Archäologen verloren: Am 18. August 2015 wurde er im Alter von 81 Jahren von Schergen des IS ermordet, nachdem er 40 Jahre lang Palmyra erforscht, gepflegt und gehütet hat. Der Baaltempel - Herzstück Palmyras, unersetzliches Denkmal römischmesopotamischer Kultur und eines der bedeutendsten historischen Bauwerke des gesamten Vorderen Orients - wurde von Islamisten dem Erdboden gleichgemacht. Paul Veyne hat mit seinem Buch Khaled al-Asaad und Palmyra ein Denkmal gesetzt. Diese antike Metropole mit Tempeln, Toren und Theater, mit Säulenstraßen, Nekropolen und Palmengärten, die ihr einst den Namen gaben, war die Königin der Wüste. Je weiter man den Ausführungen Paul Veynes folgt, umso klarer wird, weshalb dieser barbarische Doppelmord an einem Menschen und einem Weltkulturerbe begangen wurde: Den Hass der Täter zog Palmyra deshalb auf sich, weil es ein gemeinsames Haus vieler Kulturen und ihrer Götter war - der Aramäer, Mesopotamier, Ägypter, Perser, Griechen, Römer und Araber.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.04.2016

Rezensent Stefan Rebenich holt sich historische Erinnerung und politische Reflexion beim französischen Althistoriker Paul Veyne, um die Zerstörung Palmyras durch den IS besser zu begreifen. Die Geschichte Palmyras in der Antike, die Bedeutung der Stadt als Drehscheibe des Handels, der religiösen Praktiken, der Sprachen und Völker kann ihm der gelehrte Autor aus okzidentaler Perspektive freilich, aber lebendig vor Augen führen, die "Akkulturationsprozesse" exakt nachzeichnen. Wenn Veyne Palmyra als Modell einer multikulturellen Stadt darstellt, wird Rebenich klar, gegen was der IS mit seiner Zerstörung vorgehen wollte. Als Requiem möchte der Rezensent den Band aber keinesfalls verstehen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.04.2016

Bisweilen ähnelt die Lektüre von Paul Veynes Buch der Arbeit eines Archäologen, meint Rezensentin Sonja Zekri: viele Details, die auch schon mal ins Nichts führen. Dass der französische Historiker mitunter abschweift, bedauert die Kritikerin zwar, es scheint ihr Lesevergnügen aber kaum zu schmälern. Zu sehr fasziniert sie die Geschichte der antiken Oasenstadt Palmyra im heutigen Syrien. Dass der IS gerade dort wütete, scheint der Rezensentin fast folgerichtig, schließlich sei die Stadt Veynes Buch zufolge "der Stein gewordene Gegenentwurf für jede Form von Ausgrenzung". Das einstige friedliche Nebeneinander unterschiedlicher Glaubensrichtungen in Palmyra, von dem Veyne erzähle, mute nur aus heutiger Sicht erstaunlich an, in der Antike sei das Fremde ausdrücklich positiv konnotiert gewesen. Heute ist das ein geradezu "verwegener Gedanke", findet Zekri.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2016

Halb enttäuscht, halb angeregt legt Rezensent Andreas Kilb dieses Buch beiseite. Enttäuscht, weil Paul Veyne in dieser Neuauflage eines Textes über Palmyra, den er bereits 2001 zum ersten Mal publizierte, so gut wie nichts Substanzielles zu den aktuellen Geschehnissen sagen kann. Zu den Motiven der Dschihadisten, diese antike Stätte zu zerstören, fallen Veyne laut Kilb nur Banalitäten ein. Angeregt dann doch, weil Veyne in dem historischen Teil des Textes die einzigartige Kultur dieser "griechisch parlierenden, persisch schreibenden und mit römischen Ehrentiteln geschmückten arabischen Magnaten" anschaulich wieder aufleben lässt. Die Zerstörung Palmyras ist für Kilb ein ebenso epochales Katastophenereignis wie der 11. September - immerhin gibt es nun diese Anschauung der noch intakten Überreste. Für Kilb war es gerade der Kosmopolitismus dieser abgestorbenen Kultur, den die Islamisten gehasst haben müssen.
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