Paul Nizon

Der Nagel im Kopf

Journal 2011-2020
Cover: Der Nagel im Kopf
Suhrkamp Verlag, Berlin 2021
ISBN 9783518429617
Gebunden, 263 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

"Aber wo ist das Leben? Wie kann ich mich in das Gedächtnis der Literatur einschreiben? Wer bin ich eigentlich?" Diese Fragen haben Paul Nizon seit seiner Kindheit umgetrieben. Dass es darauf keine endgültigen Antworten geben kann, selbst nach vielen Jahrzehnten einer einzigartigen Künstlerexistenz, weiß er natürlich. Dies hat ihn aber nicht abgehalten, sich ihnen schreibend und wieder schreibend anzunähern. Denn der radikalen Welt- und Selbsterforschung ist dieser "besessene Jahrhundertdichter schweizerischen Ursprungs" (FAZ) nicht nur in seinen Romanen und Erzählungen nachgegangen, sondern auch in seinen Journalen, die er seit nun 60 Jahren fortschreibt. Unter der Hand ist ihm hiermit ein weiteres, unerwartetes Hauptwerk angewachsen. In seinem neuen Journal aus der unmittelbaren Gegenwart der Jahre 2011 bis 2020 erzählt er von grundstürzender Einsamkeit, von Verlusten, von einem Schreibvorhaben, das wie ein "Nagel" in seinem Kopf feststeckt, aber auch von euphorisierenden Aufschwüngen und überraschenden Erkenntnissen, die den Blick auf ihn für immer verändern.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.10.2021

Aus einer gewissen Distanz heraus bespricht Rezensent Hilmar Klute das neue "Journal" von Paul Nizon, das die Jahre 2011-2020 umfasst. Denn etwas befremdet scheint er doch zu sein von dem grenzenlosen Egozentrismus des Schweizer Schriftstellers, der sich gewissermaßen selbst zum Starautor erklärte (was gerade in den letzten Jahren auch irgendwie funktioniert hat, wie Klute zeigt) und der literarisch nur um sich selbst, in diesem Band nun vor allem um die eigene Vergangenheit, kreist: um das Dasein und Leid als der "große Heimatlose", um Verlusterfahrungen, und noch in den Passagen zu Liebesbeziehungen oder Schriftstelleridolen gehe es letztlich immer um ihn selbst, analysiert Klute. Auch von den Anschlägen 2015 in Paris, wo Nizon zu der Zeit wohnte, erfahre man wenig, dafür umso mehr von der Stadt als "Kraftwerk für die literarische und erotische Umtriebigkeit des Dichters". Für Nizon-Fans sicherlich eine schöne Lektüre, erkennt der Kritiker an - er selbst scheint dem nicht allzu viel abgewinnen zu können.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.10.2021

Böser Verriss! Rezensent Eberhard Geisler schreibt nicht lange um den heißen Brei herum: Er bedauert, dass offenbar niemand Paul Nizon auf jene Stellen hingewiesen hat, die er zum Wohl des Textes besser gestrichen hätte. So nun muss der Rezensent jede Menge Triviales und Privates lesen. Interessant und auf eine gewisse Weise anrührend wird die Lektüre jedoch, so Geisler, wenn man diese literarische Selbstentblößung auf ihre "innerste Problematik" hin analysiert. Er selbst, Nizon, spricht wiederholt von einer inneren Leere in sich, einer Einsamkeit, die er mit dem frühen Tod seines Vaters in Verbindung bringt, lesen wir. Eine ähnliche Leere entdeckt der Rezensent auch, wenn er den Text und seine teils charmanten Formulierungen auf ihre Substanz hin abklopft und nur dumpfes Dröhnen hört. Man könnte also sagen, das Schreiben in Worthülsen sei somit programmatisch. Doch Literatur wird deshalb noch nicht daraus, findet Geisler. Daran ändere auch Nizons scharfes Auge nichts. Vielmehr handle es sich bei "Nagel im Kopf" um ein wichtiges und gleichzeitig erschreckendes Dokument, schließt er gnädig.