Paul Collier, einer der bedeutendsten Ökonomen unserer Zeit und besonders in Deutschland hochgeschätzt, legt ein Manifest für einen erneuerten Kapitalismus vor. Seine Diagnose: Es geht nicht nur um Verteilung zwischen Arm und Reich, viel gefährlicher ist der neue Riss durch das Fundament unserer Gesellschaft - zwischen den städtischen Metropolen und dem Rest des Landes, zwischen den meist urbanen Eliten und der Mehrheit der Bevölkerung. Eine Ideologie des Einzelnen greift um sich, die auf Selbstbestimmung beharrt, auf Konsum abzielt und sich dabei von der Idee gegenseitiger Verpflichtungen verabschiedet. "Die Rottweiler-Gesellschaft", so Collier, "verliert den Sinn für sozialen Zusammenhalt" - und in dieses Vakuum stoßen Populisten und Ideologen. Schonungslos und leidenschaftlich verurteilt der konservative Ökonom diese neue soziale und kulturelle Kluft. Und er präsentiert ein sehr persönliches Manifest für einen sozialen Kapitalismus, der auf einer neuen Ethik der Gemeinschaft beruht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2019
Von Paul Collier können Sozialdemokratien lernen, wieder mehr auf Industriepolitik zu setzen, meint Mona Jaeger. Der britische Ökonom macht drei große Bruchlinien in der heutigen Welt aus, die der entfesselte Kapitalismus weit aufgerissen habe, führt die Rezensentin aus: zwischen den Gut ausgebildeten und Geringqualifizierten, Stadt und Land, Industrie- und unterentwickelten Regionen. Dass Menschen darauf mit einer gewissen "Rottweiler"-Mentalität reagieren, sieht Collier nicht nur beim wachsenden Populismus, sondern auch in der Verachtung, mit der die globalisierten Eliten ihre abgehängten Mitmenschen für das Festhalten am Nationalstaat strafen. Nachvollziehbar und richtig findet Jaeger, dass Collier in seinem Buch für die Schaffung guter Arbeitsplätze plädiert, für Transfers aus den Metropolen in die Provinz und eine Einhegung der allein auf Profitmaximierung zielenden Unternehmen. Nur sein ständiger Verweis auf den gesunden Menschenverstand erscheint ihr etwas lahm.
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