Paul Celan

Briefwechsel mit den rheinischen Freunden

Heinrich Böll, Paul Schallück, Rolf Schroers
Cover: Briefwechsel mit den rheinischen Freunden
Suhrkamp Verlag, Berlin 2011
ISBN 9783518422571
Gebunden, 772 Seiten, 34,90 EUR

Klappentext

Es ist die Geschichte einer langen, an Briefen reichen Freundschaft von 1952 bis in die 1960er Jahre hinein: Drei Vertreter des realistischen deutschen Nachkriegsromans, die ehemaligen Wehrmachtssoldaten Böll, Schallück und Schroers, ließen sich gleich bei ihrer ersten Begegnung auf einen verfolgten Juden und Lyriker ein, der von der zeitgenössischen Kritik als Vertreter des Surrealismus und des Elfenbeinturms wahrgenommen wurde. Über manche Differenzen hinweg haben diese "rheinischen Freunde" alles getan, um Paul Celan den Weg in die deutsche Öffentlichkeit zu ebnen: als Verlagsberater, als Rundfunkleute, als Rezensenten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.05.2012

In gewisser Weise sehr aufschlussreich findet Helmut Böttiger diesen Band, der Paul Celans Briefwechsel mit Heinrich Böll, Paul Schallück und Rolf Schroers umfasst. Die Korrespondenz mit Böll und Schallück gibt wenig her, stellt Böttiger sofort klar, aber die mit Schroers hat es in sich. Schroers, den der Rezensent heute als Dichter "zu Recht vergessen" nennt, war im Krieg ranghoher Wehrmachtsoffizier, und dass Celan mit ihm überhaupt eine, wenn auch verhaltene, Korrespondenz pflegte, erklärt sich Böttiger mit Celans Empfänglichkeit für Schroers Lobhudeleien, die Böttiger mit ihrem verschwiemelten Pathos und ihrer verquälten Selbstherrlichkeit eher abstoßen. Gut verstehen kann er also, dass Celan den Briefwechsel abbrach, als er Schroers Auslassungen zu "artfremden" und "volksunmittelbaren" Menschen oder zur "erbarmungswürdigen Tatsächlichkeit eines schwieligen polnischen Dorfschmieds" las. Dass die Herausgeberin diesen Austausch zu einer Freundschaft stilisiert, die mit der zu Ingeborg Bachmann vergleichbar sei, kann der Rezensent nicht verstehen. Auch nicht, dass sie das Ende als Kampagne gegen Schroers interpretiert und nicht mit seinem fragwürdigen Menschenbild in Verbindung bringt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.02.2012

Die von Barbara Wiedemann besorgte Edition der Korrespondenz Paul Celans mit Heinrich Böll, Paul Schallück und Rolf Schroers fügt dem Bild von Celans Lebensdrama, wie die Rezensentin es nennt, eine weiteres Stück hinzu. Zu lernen ist für Beate Tröger, dass Celans Lebensgeschichte nicht individualpsychologisch, sondern zeitgeschichtlich zu erklären ist. Die hier "sorgfältig" kommentierten Briefwechsel geben ihr dafür treffliche Hinweise, etwa in der abrupten Beendigung der Beziehung zu dem Autor und Lektor Schroers, nachdem dieser unter Antisemitismus-Verdacht gestellt wurde. Darüber hinaus gibt der Band für Tröger einen farbigen Eindruck vom politischen und kulturellen Klima im Deutschland der 50er und 60er Jahre.

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