Vinzenz Hediger (Hg.), Patrick Vonderau

Filmische Mittel, industrielle Zwecke

Das Werk des Industriefilms
Cover: Filmische Mittel, industrielle Zwecke
Vorwerk 8 Verlag, Berlin 2007
ISBN 9783930916825
Kartoniert, 350 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Während der Dokumentarfilm zumindest den Anspruch nach Wirklichkeit darstellt und erschließt, ist der Industriefilm - ob nun als Herstellungsfilm, als Imagefilm oder als Schulungsfilm für den firmeninternen Gebrauch - immer schon damit beschäftigt, Wirklichkeit hervorzubringen: Also bestimmte Handlungen und soziale Strukturen zu produzieren, in dem er Diskurse in Formen der Organisation überführt. Tatsächlich könnte man den Industriefilm - zusammen mit anderen Gattungen des Auftragsfilms - als das verdrängte Andere des Dokumentarfilms bezeichnen. Nicht nur bildete die Industrie- und Auftragsfilmproduktion oft genug die gerne verschwiegene ökonomische Basis der künstlerischen Dokumentarfilmproduktion. Als routinierte, ja standardisierte Form der Darstellung und der Wahrnehmung entwickelt der Industriefilm seit seinen Anfängen im Kino und später auch im Fernsehen eine unübersehbare Präsenz und prägt unser Wissen, ohne dass einzelne Beispiele der Gattung im öffentlichen Gedächtnis eine prägnante Spur hinterließen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.10.2007

Rezensent Ekkehard Knörer freut sich über diese Anthologie von Aufsätzen zu einem von der Filmwissenschaft bisher vernachlässigtem Thema, dem Industriefilm. Für ihn erklärt sich die Forschungslücke aus der starken Fokussierung der noch jungen Disziplin Filmgeschichte auf den Film als Kunstwerk. Der Industriefilm, bei dem nicht primär die ästhetische Dimenson, sondern der Gebrauchswert im Vordergrund steht, kam zunächst nicht in den Blick. Bei der Untersuchung des Industriefilms stehen einerseits die "drei A", Auftraggeber, Anlass, Adressat, und andererseits die "drei R", record (Aufzeichnung), rhetoric (Manipulation) und rationalization (Optimierung), im Mittelpunkt. Über dieses Medium werden beispielsweise Vorstellungen von Hierarchie und Gleichberechtigung am Arbeitsplatz filmisch vermittelt, wie die Studien über Lehrfilme der Firma McGraw-Hill oder der Telefonfirma Bell zeigen. Am interessantesten fand Ekkehard Knörer den Aufsatz von Petr Szczepanik über den ursprünglich tschechischen Schuhhersteller Bata, der im frühen 20. Jahrhundert eine integrierte Lebens- und Arbeitswelt in der Firmenstadt Zlin schuf und unter anderem ein eigenes Filmstudio unterhielt. Der Rezensent fand die Geschichte so spannend, dass er sich eine "interdisziplinäre Monografie zu diesem einzigartigen Unternehmen" wünscht.
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