Patrick Roth

Sunrise

Das Buch Joseph
Cover: Sunrise
Wallstein Verlag, Göttingen 2012
ISBN 9783835310513
Gebunden, 509 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Patrick Roth erzählt die unerhörte Geschichte des Joseph von Nazareth als die eines Zweifelnden, er erzählt von Josephs tiefem Glauben und seinem Ungehorsam wider Gott. Zugleich spürt "Sunrise" der Möglichkeit eines Neuanfangs nach. Jerusalem im Jahre 70 nach Christus: Römische Truppen drohen die Schutzmauern zu durchbrechen. Die Belagerung der heiligen Stadt bildet den Ausgangspunkt dieses bildmächtigen Romans, dessen Bogen sich bis in die Zeit vor Jesu Geburt spannt. Im Mittelpunkt der Ereignisse steht Joseph, der Mann der Maria, von dem die Evangelien berichten, dass er Träumen gehorchte, als er Frau und Kind annahm. Patrick Roth entwirft ihm ein Leben voller Spannungen, ein Drama zwischen Mensch und dem Numinosen. Dreizehn Jahre nach Jesu Geburt fordert Gott ein äußerstes Opfer von Joseph. "Wo ist da Gerechtigkeit, dass ich's verstünde?" klagt er angesichts des ungründlichen Willens Gottes. Wird Joseph dieses Opfer wirklich auf sich nehmen können?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.08.2012

Dirk Pilz zeigt sich schwer beeindruckt von Patrick Roths Roman "Sunrise", nicht nur wegen des Sujets sondern auch und vor allem wegen seiner Sprache. Ohne Angst vor Pathos und verwinkelter, am Altgriechischen geschulter Syntax, erzählt der Autor die Lebensgeschichte Josephs, des Ziehvaters Jesu, so der Rezensent bewundernd. Er attestiert dem Roman deshalb und wegen seiner suggestiven, filmisch wirkender Sprachbilder eine Sogwirkung, die dem Leser zwar einige "Geduld" abverlangen, dafür aber nie ins hohl Feierliche abdriften, wie er betont. Joseph ist bei Roth ein Zerrissener, Getriebener, der schon mal einen Sohn namens Jesus hatte, der ertrank, erfahren wir. Es geht in diesem Roman nicht um Bibeltreue, sondern um die "Wandlungen von Glaubensgeschichten" und um die Lebensgeschichte eines Verirrten, erklärt Pilz, der noch verrät, dass "Sunrise" für den Deutschen Buchpreis nominiert ist.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.07.2012

Für Samuel Moser ist der in Kalifornien lebende Autor Patrick Roth ein absoluter Solitär in der deutschsprachigen Literatur. Von seinem neuen, umfangreichen Joseph-Roman "Sunrise" zeigt sich der Rezensent schwer beeindruckt. Roth erzählt darin in fast biblischer Breite von Joseph, dem Ziehvater Jesu, dem er dazu die Geschichten von Joseph, dem Jünger Christi, und dem alttestamentarischen Joseph in Ägypten beistellt, erfahren wir. Es ist eine Vater-Geschichte und zugleich eine tiefgreifende Reflexion über das Erzählen selbst, betont der Rezensent, der sich nicht nur vom an die Sprache der Bibel gemahnenden Duktus, sondern auch von der komplexen Konstruktion und der Vielseitigkeit der erzählerischen Formen sehr eingenommen zeigt. Nicht um erzählerische Wahrheit geht es in diesem großen Roman, der dem Mann, über den die Bibel kaum etwas erzählt, eine Stimme verleiht, sondern um "die Wahrhaftigkeit des Erzählers", so Moser mitgerissen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.06.2012

Das haut Eckhard Nordhofen um: Biblische Geschichten gepaart mit einer antiquarischen Sprache und Hollywood-Dramaturgie. Patrick Roth erzählt in seinem Roman "Sunrise" die Geschichte von Joseph, Jesu Vater, beziehungsweise erdichtet sie neu mit etlichen Rückgriffen auf die Bücher des Alten Testaments. Dabei scheint auch dieser Joseph ein Träumer zu sein, ein Vater, der seinen Sohn opfern muss und ein Mann schließlich, der das verlorene Buch suchen soll. Als Buch über das Schreiben und die Schrift versteht Nordhofen Roths "Sunrise", als Buch über die Träume, als Krimi auch und sogar als "orientalische Meistererzählung".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.05.2012

Patrick Roths Roman über Joseph von Nazareth, Ziehvater von Jesus und in der Bibel eher eine Figur im Hintergrund, hat Anja Hirsch tief beeindruckt. Der religiöse Stoff, die biblisch anmutende Sprache, die Wucht der Erzählung - Hirsch muss das erst mal verdauen. Eine Zumutung scheint ihr das Buch, allerdings nur "auf den ersten Blick". Sie lässt sich auf den Roman ein, lässt sich von der Geschichte packen. Und ist des Lobes übervoll. Sie fühlt sich an Thomas Manns "Joseph und seine Brüder" erinnert, für sie wie "Sunrise" eine moderne Auslegung biblischer Mythen. Doch während Manns Joseph ein Intellektueller ist, scheint ihr Roths Protagonist "im innersten Kern zerrieben und durchkreuzt". Hirsch lobt Roths an Psalmen erinnernde rhythmische Sprache, sein Erzählen mit filmischen Mitteln und die faszinierenden Räume, durch die er seine Figur taumeln lässt. Das Fazit der Rezensentin: eine "archaische Abenteuergeschichte", unzeitgemäß, gewalttätig, fesselnd und von großer Ernsthaftigkeit.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.03.2012

So wie in Patrick Roths "Sunrise" hat Jutta Person die Geschichte des Ziehvaters Jesu, Joseph von Nazareth, noch nie gelesen. Immer "bizarrer" werden die schuldhaften Verstrickungen des Zimmermanns, dessen Geschichte in stimmgewaltiger, rhythmischer Prosa vorgetragen wird und auf die Rezensentin nur selten zu "altertümelnd" wirkt. Josephs Sohn Jesus aus erster Ehe ertrinkt ihm im Meer, er weigert sich, seinen zweiten Sohn Jesus, wie Gott es von ihm fordert, zu opfern, er simuliert seinen eigenen Tod und tötet den Sohn eines Räuberhauptmanns, wiederum mit Namen Jesus, erfahren wir. Das alles ist bei Roth ganz großes Kino, wird von Person aber trotzdem nicht als "Überwältigungsprosa" abgetan, weil die Geschichte in ihren Augen dafür viel zu abgedreht ist. Und das macht schließlich, wie sie findet, auch den Sog dieses Romans aus, der weit weg von religiösen Heilsgeschichten führt und in Joseph einen faszinierenden "Desperado" vorführt.
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