"Die amerikanische Fahrt" erzählt von Patrick Roths Anfängen in der Stadt des Films, von seiner Bewunderung für Bildpoeten wie John Ford und Orson Welles, unverhofften Begegnungen mit Henry Fonda und David Lynch und vom abenteuerlichen Erlernen filmischer Mittel fürs eigene Schreiben. Immer wieder bringen seine Geschichten jene "Movie-Moments" vor Augen - heilig-magische Momente des Kinos, in denen Durchsicht auf ein Größeres gegeben wird, das jenseits der Leinwand liegt. Im ganz Anderen erkennen wir uns plötzlich selbst. Roths "Kamerafahrten" beginnen in seinem amerikanischen Alltag, führen aber immer wieder an existenzielle Entscheidungssituationen heran. Fahrt und Erfahrung, Realität und Traum, Abschiede und zarte Zeichen beginnender Liebe überlagern sich und werden zum Grund des Erzählens.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.05.2013
Mit großer Sympathie stellt Rezensentin Anja Hirsch diesen Band mit Essays vor, die Filme und eigene Erfahrungen des Erzählers Patrick Roth verknüpfen. Roth war schon als Schüler in Karlsruhe ein Filmfan, lesen wir. In seinen Essays formuliert er nun eine "Schule des Sehens", die Hirsch beeindruckt hat. Roth sieht und folgt beim Sehen und späteren darüber Schreiben einem Instinkt, der auch Fehler seines Unbewusstseins übernimmt. Als Beispiel nennt Hirsch ein Licht, das Roth am Rande einer Filmszene von Griffith sah und das für ihn ein filmischer Effekt für das "Vom-Gefühl-Durchstobenwerden eines Menschen", so zitiert ihn die Rezensentin, war. Als er den Film später wieder sah, stellte er fest, dass dieser Effekt, der ihn so tief beeindruckt hatte, ein Materialfehler der Filmrolle gewesen sein musste. Doch diese Art, das Unbewusstsein mitspielen zu lassen, auch wenn es manchmal Fehler produziert, findet die Rezensentin im Laufe der Lektüre sehr gewinnend.
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