Patrick McCabe

Winterwald

Roman
Cover: Winterwald
Berlin Verlag, Berlin 2008
ISBN 9783827006554
Gebunden, 223 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser. Die Begegnung mit dem Fiddlespieler Ned Strange in seinem irischen Heimatdorf erweist sich für Redmond Hatch als folgenreich: Anfangs fasziniert von diesem hoch geachteten Wahrer der Traditionen, erkennt er nach und nach, wie der alte Ned in seinen Geschichten die Wirklichkeit immer aufs Neue verdreht. Redmond kann sich dem intriganten Spiel nicht entziehen, er erweist sich vielmehr als gelehriger Schüler: Was er über seine Ehe mit der sehr viel jüngeren Catherine und über seine geliebte Tochter erzählt, stellt sich in diesem trügerischen Roman am Ende als phantastisches Blendwerk heraus.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.05.2009

Rezensent Thomas Scholz wirkt sehr beeindruckt und ein bisschen mitgenommen von Patrick McCabes Roman "Winterwald", der von unheimlichen Vorkommnissen und brutalen Verbrechen "erschreckend schön erzählt", wie der Rezensent lobt. Es geht um den Reporter Redmond Hatch, der den irischen Folkloresänger Ned Strange interviewt und erst die finsteren Abgründe des scheinbar so schrullig-liebenswerten Sängers und bald die eigenen kennen lernt, lässt uns der Rezensent wissen. Kindesmissbrauch, Mord und Alkoholsucht werden von McCabe aufgefahren, und sehr geschickt changiert das Geschehen zwischen Wahn und Wirklichkeit, preist Scholz. Es beeindruckt den Rezensenten nachhaltig, wie brillant der Autor mit bloßen Andeutungen ein ganzes Panorama an Untaten und Grausamkeiten entfaltet. Gerade das er das ganze Ausmaß des Schreckens nicht ausschreibt, sondern beispielsweise nur erzählt, wie Hatsch mit seiner Tochter, der er ein rosafarbenes Plastikpony geschenkt hat, im "Winterwald" verschwindet, steigert das Grauen der Geschichte, so Scholz gefesselt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.12.2008

Laut Michael Schmitt ist Patrick McCabe vor einem Jahrzehnten angetreten, die folkloristisch verklärten Irlandbilder, wie man sie aus der Literatur gewöhnt war, zu modernisieren und sich an ihren "Bruchlinien" abzuarbeiten. Sein jüngster Roman um den Journalisten Redmond Hatch, der vom bösen Geist eines alten Folkmusikers überkommen wird, der nur auf den ersten Blick wie der Inbegriff des irischen Urgesteins aussieht, hat dem Rezensenten durchaus gefallen, letztlich aber nicht völlig überzeugt. Sei man als Leser zunächst etwas abgeschreckt vom hastenden Erzählmodus mit seinem raschen Wechsel der Handlungsorte, so werde bald deutlich, dass es sich hier um ein bewusstes Verfahren des Autors handele, so der Rezensent anerkennend. Ihm wird klar, dass McCabe mit Versatzstücken des Unterhaltungsromans spielt und den Anschein von Realität gar nicht anstrebt. Das hat häufig einen ausgesprochen gruseligen und dabei durchgehend komischen Effekt, räumt der Rezensent ein, dem das als Ansatz für eine Erneuerung der irischen Gegenwartsliteratur aber nicht ausreicht, wie er betont.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 20.11.2008

Mit fasziniertem Schauder hat Rezensent Friedhelm Rathjen diesen Roman gelesen, dessen Autor sich aus seiner Sicht damit nun endlich "auf intensive Weise" der Wahrheit genähert hat, die hinter aller Literatur lauere - eine Qualität, die Rathjen in früheren Romanen Patrick McCabes stets vermisst hat. Im Zentrum steht, wie wir lesen, ein irischer Provinzjournalist, dessen Leben zwischen "kitschtriefendem Glück" mit einer um zwanzig Jahre jüngeren Frau und dem seltsamen Verhältnis zu einem alten Säufer pendelt, der ihn immer tiefer in abgründige Parallelwelten zieht, in der sich alle Werte und Normen seines Handelns langsam verändern. Mitunter sieht der Rezensent Becketts Landstreicher Molloxy und Moran "um die Ecke linsen". Nicht selten aber schaudert er angesichts albtraumhafter Szenen und Beschreibungen von Zwangssystemen wie Liebe, Heimat und Familie.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.10.2008

Packend und beklemmend findet Ulrich Baron diesen Roman von Patrick McCabe, der darin 25 Jahre irischer Vergangenheit mit schaurig-phantastischen "Gespenstern" durchsetzt. Redmond Hatch trifft bei seiner Recherche über irische Folklore auf den Fiddler Ned Strange, auf den ersten Blick ein onkelhaft-kauziges irisches Original, der allerdings dann wegen Kindesmissbrauch verurteilt wird und sich im Gefängnis erhängt. Mit Hatch verbindet ihn, dessen Geist die Hauptperson heimsucht, ein unheilvoller Bund und im Zug der Geschichte vermischen sich auf unheimliche Weise phantastische Horrormotive mit der nicht minder schrecklichen Ehegeschichte der Hauptfigur. Dabei bestürzt es den Rezensenten, dass die realistischen "Obsessionen und Psychopathologien der Gegenwart" den Schrecken der "phantastischen Lügen" von Wiedergängern und infernalischen Pakten, mit denen McCabe seine Geschichte durchsetzt hat, noch überwiegt.
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