Patrick Kingsley

Die neue Odyssee

Eine Geschichte der europäischen Flüchtlingskrise
Cover: Die neue Odyssee
C. H. Beck Verlag, München 2016
ISBN 9783406692277
Gebunden, 332 Seiten, 21,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Hans Freundl und Werner Roller. Patrick Kingsley legt ein hohes Tempo vor. Er reist mit dem Syrer Hashem al-Souki auf dem Zug, trinkt selbstgebrannten (und verbotenen) Schnaps mit dem libyschen Menschenschmuggler Haji, der einmal Jurastudent war, marschiert mit Fattemah Abu al-Rouse, der schwangeren syrischen Lehrerin, die Angst hat, ihr Kind zu verlieren, durch die Wildnis des Balkans, ist an Bord eines Bootes im Mittelmeer. Er schildert, wie das Multi-Millionen-Dollar-Geschäft mit dem Menschenhandel in Libyen, der Türkei und Ägypten organisiert wird. Er zeigt, wie lokale Kaufleute und korrupte Politiker in Italien vom Elend der Menschen profitieren. Er beschreibt die Fluchtrouten, hinterfragt die Ursachen der Krise und die Gründe für die bedrückende Reaktion so vieler Europäer.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.09.2016

Auch wenn der Blick des jungen Guardian-Reporters Patrick Kingsley auf die große Politik den Rezensenten nicht überzeugt, die fein beobachteten, hautnahen Geschichten über Menschen auf der Flucht findet Robert Probst umso beeindruckender, unmittelbar und empathisch. Was einen zur Flucht über die Meere antreibt, welche Wege er zurücklegen und welche Gefahren er bestehen muss, vermittelt der Autor laut Probst durch seine Reisen in 17 Länder, im Gespräch mit Migranten, Ärzten, Grenzschützern und Schleppern und auf den rostigen Todeskähnen. Die Schicksalsgeschichten, Ängste und Hoffnungen, die dabei ans Licht kommen, bestürzen den Rezensenten, auch wegen ihres raffinierten Arrangements in diesem Band.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.05.2016

Felix Simon kann verkraften, dass das Buch des Guardian-Journalisten Patrick Kingsley hin und wieder wie mit heißer Nadel gestrickt wirkt. Die Fluchtgeschichte eines Syrers nach Schweden kann ihm der Autor dennoch auf packende Weise schildern und mit makroperspektivischen Momenten verbunden alles andere als abstrakt nahebringen. Die Strapazen und das Leid der Flucht, aber auch die Hintergründe, Ursachen und Auswirkungen der Migrationswelle und die Motivation von Menschenschmugglern wie Helfern lernt Simon besser kennen. Kritik schließlich übt der Autor laut Simon auch, an Grenzsicherungsmaßnahmen und einer verfehlten Flüchtlingspolitik.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 14.05.2016

Bewegt zeigt sich Marc Reichwein von Patrick Kingsleys 300-Seiten-Reportage über Flucht und Flüchtlinge. Der Migrationskorrespondent des britischen "Guardian" erziele mit seinem Buch und den einzelnen Begegnungen darin eine geradezu kathartische Wirkung, findet der Kritiker. Gerade der heutige Europäer "zwischen seinen Yoga- und Veganwahlpflichtfächern" habe längst vergessen, wie existenziell und wegweisend einzelne Entscheidungen wie die von Flüchtlingen sein können, so Reichwein. Kingsley mache diese Diskrepanz durch seine Schilderungen deutlich, die stets nüchterne Protokolle und niemals zynisch seien. Die aufkommende Spannung und das beim Leser hervorgerufene Mitleid speist sich nach Meinung des Rezensenten immer nur aus den nacherzählten Szenen selbst. Auch seine eigene Rolle in den bereisten Krisengebieten und die Parallelen der Flüchtlingsschicksale zu Odysseus' Reise beleuchtet der Autor selbstkritisch und hellsichtig, wie Reichwein anerkennend und tief beeindruckt bilanziert.