Mit 4 Abbildungen. Aus dem Englischen von Andreas Wirthensohn. Patrick J. Geary widmet sich in diesen Essays den Verfassern bedeutender Ursprungsmythen von der Antike bis ins Mittelalter. Er zeigt, dass die Autoren - Genealogen, Theologen und Rechtsgelehrte -, die diese Mythen zusammenstellten, niemals auf der Suche nach den Anfängen von Nationen, Stämmen, Religionen oder Völkern waren, wie oftmals vermutet. Im Gegenteil: Seine überraschende These ist, dass sie ganz an ihrer Gegenwart und Zukunft interessiert waren. Geary untersucht die Diskrepanz zwischen den Frauenfiguren in biblischen, klassischen und mittelalterlichen Mythen (wie etwa Eva, Maria, die Amazonen oder auch Prinzessinnen) und der wirklichen Rolle von Frauen in antiken und mittelalterlichen Gesellschaften.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.11.2006
Die Rezensentin Sarah Elsing fühlt sich von den Ausführungen des Mediävisten Patrick J. Geary zur Rolle der Frauen in den europäischen Ursprungsmythen ebenso gut unterhalten wie informiert. Sein Ansatz ist nicht, den Wahrheitsgehalt einiger durch patriarchial geprägte Überlieferung in den Hintergrund gedrängter Geschichten in Erfahrung zu bringen, sondern an einigen beispielhaften Fällen die Entstehung von identitätsbildenden Mythen zu untersuchen. Die Darstellung gefällt Elsing außerordentlich gut, von Antike bis Mittelalter. Besonders angenehm wird die Lektüre zudem durch die "klare, einfache Sprache" Gearys, stellt die Rezensentin fest.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2006
Durchaus aufschlussreich findet Rezensent Michael Borgolte dieses Studie über den Umgang von Autoren von der Antike bis zum Mittelalter mit ihren Geschlechtererfahrungen, die Patrick J. Geary vorgelegt hat. Als Ausgangspunkt der Untersuchung beschreibt Borgolte die offenkundigen Differenzen zwischen der historischen Rolle von Frauen in den Gesellschaften der Antike und des Mittelalters und ihrer Darstellung in Texten von zumeist geistlichen Autoren. Gearys Erklärung dieses Umstandes scheint ihn alles in allem überzeugt zu haben. Er bescheinigt ihm zu zeigen, dass die Männer in die Texte diverser Überlieferungen Frauen hinein- oder hinausschrieben, "um mit Widersprüchlichkeiten ihrer eigenen Lebenserfahrung fertig zu werden". Zwar hält er Geary vor, bisweilen arg spekulativ zu sein und sich der Gefahr von Zirkelschlüssen auszusetzen, liefert dann aber eigenhändig eine Bestätigung für den Ansatz des Autors nach, die diesem entgangen ist.
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