Seit 1968 und den Konflikten um die Studentenbewegung wurde der Zivildienst mehr und mehr zum Politikum. Auf ihrem "langen Marsch durch die Institutionen" machte die APO die Kriegsdienstverweigerung zum politischen Kampfinstrument und zwang die sozialliberale Koalition unter Willy Brandt zu weitreichenden Reformen. Patrick Bernhard schildert nicht nur die Diskussion um die "Demokratisierung des Dienstes" und die Abschaffung des "inquisitorischen" Prüfungsverfahrens, die Öffentlichkeit und Parlament erregte. Als wichtiger Beitrag zur jüngeren Gesellschaftsgeschichte der Bundesrepublik bilanziert die Studie auch, wie die Reformen den Sozialstaat langfristig veränderten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.06.2007
Winfried Heinemann ärgert sich zwar über einige Ungenauigkeiten und Fehler im Detail in Patrick Bernhards Studie zur Geschichte des Zivildienstes, beurteilt sie aber insgesamt als "wichtig" und "lesenswert". Lobenswert findet er dabei, dass es dem Autor in einem ersten Teil der Studie gelingt darzulegen, dass der sprunghafte Anstieg der Ersatzdienstleistenden Ende der sechziger Jahre nicht nur Folge der 68er-Bewegung war, sondern dass die Motive für eine Verweigerung oft auf einer Kritik der Nuklearstrategie fußten beziehungsweise zunehmend private Hintergründe hatten. Der zweite Teil der Studie belegt, wie der Rezensent findet, souverän und fundiert, die politischen Diskussionen um die Wandlung vom "Ersatzdienst" als Ausnahme, zum anerkannten "Zivildienst". Das Verdienst Bernhards Studie sieht der Rezensent vor allem darin zu zeigen, dass die Entwicklung des Zivildienstes einen gesellschaftlichen Wertwandel spiegele, der zunehmend individuelle Ziele in den Vordergrund stellt.
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