Klappentext
Aus dem argentinischen Spanisch von Dagmar Ploetz. Die Schauspielerin Olivia musste als Kind erleben, wie ihr Vater eines Tages ohne Ankündigung spurlos verschwand. Ihre Mutter, eine eigenwillige Avantgarde-Künstlerin, schien ihm nicht sehr nachzuweinen. Aber für die Tochter wird die Sehnsucht nach dem abwesenden Vater zum Lebensthema. Zwanzig Jahre später taucht der Vater auf und versucht, eine Sprache für sein Verhalten zu finden. Wie kommen Entscheidungen zustande, die wir treffen? Und: Wie entstehen Erinnerungen?
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info)
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 15.05.2025
Rezensent Samuel Hamen annonciert einen sehr besonderen Roman mit diesem Buch des Argentiniers Patricio Pron. Wobei, als Roman möchte der Kritiker das Werk im eigentlichen Sinne nicht bezeichnen, spielt der Autor doch mit den Genres: Elemente aus Krimi, Familien- und Künstlerroman scheinen ebenso durch wie essayistische Passagen. Auf der Handlungsebene geht es um Olivia, deren Künstler-Vater plötzlich verschwindet und die sich jahrelang mit diesem Verlust auseinandersetzt, der zweite Teil widmet sich dem Lebensweg des Vaters. Was das Buch für Hamen aber so besonders macht, ist das "Opake und Existenzielle" unter der Oberfläche, die titelgebende "geheime Natur der irdischen Dinge", zu der Pron vorzudringen versucht. Für den Kritiker entseht so "elegant verkopfte" Prosa, deren Komplexität ihn nicht abschreckt.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 25.04.2025
Rezensent Dirk Fuhrig tut dem neuen Roman von Patricio Pron einen Gefallen, indem er seine Ambitionen ein wenig herunterschraubt, den "theoretischen Ballast" der Erzählung abwirft und ihn als "psychologische Kriminalgeschichte" liest: Über einen Familienvater, der plötzlich und aus scheinbar unerklärlichen Gründen verschwindet und seine Tochter, die mit ihrem Vater auch den Halt und die Orientierung im Leben verliert. Aus dem unsteten Leben der Tochter erfahren wir zu Anfang des Romans, nachdem uns eröffnet wurde, dass dessen Ende kurz bevor steht, erklärt Fuhrig. Dieser Spoiler erzeugt direkt Spannung. Und auch die Episode aus dem Leben des Vaters, die sich an diese Erzählung anschließt, gibt interessante Rätsel auf, lesen wir. Doch dabei bleibt es nicht. Im weiteren Verlauf tauchen Wolfskinder auf, es geht um Kunst, Schauspiel, Familie, um Erinnerungen und Zufälle, vieles davon bleibt fragmentarisch. Pron arrangiert all diese Fragmente mit zahlreichen Referenzen zu einem bildungssatten Konstrukt, unter welchem die Geschichte allerdings zu ersticken droht, so Fuhrig, zumindest, wenn man sich nicht vom Anspruch befreien kann, dieses komplex überformte literarische Verwirrspiel in Gänze zu durchdringen.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.04.2025
Rezensent Jobst Welge hebt zunächst einmal die große Belesenheit des argentinischen Autors Patricio Pron hervor, der im Nachwort auf die vielen Autoren verweist, die ihn beeinflusst haben: Neben Henry James, Robert Walser oder Shirley Jackson, um nur einige zu nennen, ist das allen voran Nathaniel Hawthorne, der in seiner Erzählung "Wakefield" von 1835 das in der Zeitung gelesene Schicksal eines Mannes, der viele Jahre verschwand, zu Literatur machte. Auch Prons Roman dreht sich um das Verschwinden eines Vaters, über das wir aus zwei Perspektiven erfahren: Im ersten Teil des Roman begleiten wir Schauspielerin Olivia auf dem Weg zu ihrem plötzlich wieder aufgetauchten Vater, auf der Autofahrt dorthin sinniert sie über ihre rätselhafte Familiengeschichte, resümiert Welge. Der zweite Teil widmet sich jenem Vater, einem Maler, der die Familie eines Tages sitzen ließ und auch von der Polizei nicht gefunden wurde. Wie Pron das Thema "Verschwinden" auch in der "psychologischen Dimension" ausleuchtet, findet der Kritiker stark. Die an W. G. Sebald erinnernde Abschweifungen stören Probst zwar mitunter, als so spannenden wie rätselhaften Roman über familiäre Traumata empfiehlt er das Buch aber gern.
Themengebiete
Kommentieren

