Aus dem Englischen von Elisabeth Vorspohl. Otto F. Kernberg entwickelt in seinem neuesten Werk eine Psychologie der Gruppen und Organisationen aus analytischer Sicht. Dabei setzt er sich mit den regressiven Tendenzen von Gruppenprozessen, der potentiell lähmenden oder stabilisierenden Wirkung von Bürokratie und Ideologie und der moralischen Dimension von Führung auseinander.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.07.2000
Karl Markus Michel hat an diesem Buch, das sich mit Gruppenpsychologie beschäftigt, viel auszusetzen. Der Autor scheine vor allem ins "Allgemeine der Theorie" zu streben, bemängelt der Rezensent. So fehle es, wie so oft bei psychoanalytischen Untersuchungen, an Fallbeispielen, und durch die "metaphern- und gleichnisfreie Begrifflichkeit" bliebe vieles zu abstrakt. Auch inhaltlich überzeugt ihn das Buch nicht. Bei den Überlegungen zu Gruppenprozessen beispielsweise vermisst Michel Überlegungen zur Zurechnungsfähigkeit von Individuen. Die Theorie vom Fernsehkonsumenten als Gruppenmitglied hält Michel für überholt. Manche These des Autors sieht der Rezensent durch dessen eigene Ausführungen aus den Angeln gehoben. Einzig zur Übersetzung äußert er sich positiv: Elisabeth Vorspohl habe die zum Teil überlangen Sätze "kongenial" ins Deutsche übertragen, lobt Michel.
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