Oskar Negt

Arbeit und menschliche Würde

Cover: Arbeit und menschliche Würde
Steidl Verlag, Göttingen 2001
ISBN 9783882437867
Gebunden, 752 Seiten, 29,65 EUR

Klappentext

"Arbeitslosigkeit ist ein Gewaltakt, ein Anschlag auf die körperliche und seelisch- geistige Integrität der davon betroffenen Menschen. Das Ringen um eine zukunftsfähige Arbeitsgesellschaft ist deshalb keine bloß akademische Auseinandersetzung, sondern ein Kampf um Herrschaftsinteressen, um die Zukunft der Demokratie."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 11.07.2002

Der Frankfurter Schule möchte er diesen Denker empfehlen, unser Rezensent Lutz Ellrich. Dem erklärten Ziel der Kritischen Theorie, "empirisch gehaltvolle Zeitdiagnosen mit einem normativen Konzept von sozialer Gerechtigkeit zu verbinden", schreibt Ellrich, kommt Negt mittels großer Akribie in der Beschreibung und das Bestehende transzendierenden Denkfiguren weit näher als etwa Jürgen Habermas. Dass Negt mit diesem Buch nun auch zu einer theoretischen Form gefunden hat, mittels derer er die Krisenherde des Kapitalismus und die Mängel gängiger Krisenmanagements aufzuzeigen vermag, nimmt Ellrich für den Autor ein. Um so mehr noch, als dieser, "als guter Hegelianer", die negativen Erscheinungen der gegenwärtigen Weltgesellschaft zwar von vorn bis hinten abschreitet, den Mut zur Korrektur aber dennoch nicht verliert: "Darin liegt der Rang dieses flüssig geschriebenen und selbst bei schwierigen Themen verständlichen Buches."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.03.2002

Oskar Negt gibt keine Ruhe: in seinem neuesten Theorie-Wälzer reitet er eine Attacke gegen den, wie er es nennt, "großen Globalisierungsbetrug". Beim Blick nicht auf die Konzerne, sondern auf die Menschen werde klar, so Negt, dass die Globalisierung nur die schlimmsten Tendenzen des Kapitalismus verstärkt: die "Schere zwischen Reich und Arm" wird immer größer und der Markt entledigt sich seiner letzten Grenzen und Kontrollen. Negt fordert nicht mehr und nicht weniger als "menschenwürdige Arbeit" und die Rückerstattung von "Würde" an den einzelnen; konkreter gesprochen: ein "bürgerliches Grundgehalt" und "Minimaleinkommen" für jeden. Der Rezensent Thomas Eckardt beschränkt sich weitgehend darauf, die Thesen Negts zu referieren, nennt das Buch "couragiert und ziemlich wütend" - und verweist zuletzt kritisch auf Jeremy Rifkins pessimistische Bemerkung, dass das Problem für viele nicht darin besteht, ausgebeutet zu werden, sondern "gar nicht mehr ausbeutbar zu sein".
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.12.2001

Matthias Greffrath gibt Oskar Negt seine volle Zustimmung. Dieser habe nicht nur ein "aktuelles" Buch, sondern auch ein "fundamentalistisches" geschrieben, da es sich mit den "Grundlagen unserer Zivilisation" befasse. Der Autor bewege sich dabei entlang eines roten Fadens, der sich von Aristoteles über Kant und Marx bis hin zur Tobinsteuer ziehe. Und eine Zustimmung zu dem, was heute unter dem Stichwort "Globalisierung" passiere, sei (und das zu recht) nirgends zu finden, im Gegenteil: Es handelt sich hier um "eine materialreiche wie gedankensatte Streitschrift wider die Globalisierung", erläutert Greffrath zustimmend. Anhand von aktuellen Beispielen aus unserem Umfeld zeige Negt die Missstände auf und komme (wiederum mit Zustimmung des Rezensenten) zu dem Schluss, dass sich die Menschheit ihres historischen und moralischen Kapitals bedienen muss, will sie der Macht des destruktiven Kapitalismus beikommen.