Herausgegeben von Dieter Heimböckel und Claus Zittel. Aufstieg und Zerfall einer Familie: Oskar Loerkes Epos erzählt über fünf Generationen die Geschichte der Wendenichs, die unter dem Unstern einer Krankheit stehen. Es ist die Epilepsie, die das Verhältnis zwischen Vater und Sohn unerträglich belastet und zuvor schon das Ausleben der künstlerischen Neigungen des Vaters verhindert. Nicht von ungefähr wollte man in diesem Roman eine im bäuerlichen Milieu angesiedelte Variation der "Buddenbrooks" erkennen. Doch er ist viel mehr. Es finden sich in ihm grandiose Naturschilderungen, in ihrem Realismus geradezu apokalyptische Szenen auf einem Nordseekutter, die Darstellung vielfachen Scheiterns zahlreicher Nebenfiguren und nicht zuletzt die facettenreiche Behandlung der Epilepsie und der mit ihr einhergehenden psychosozialen Bedrängnisse. Es ist eine einzige Elegie des versäumten und verwehrten Lebens. Die durch die Krankheitserfahrung schmerzhaft gesteigerte Aufmerksamkeit der Hauptfigur begründet das Faszinierende des Romans, und Loerke findet einen ungekannten Ton: Die Schilderung extremer und zugleich luzider Bewusstseinszustände, dicht in die Erzählung hineingewobene Mythen und Märchenmotive wie das des monströsen, alles überschattenden Ogers sowie das Leitthema der Musik erzeugen einen schwebenden Erzählton zwischen Traum und Wirklichkeit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.03.2022
Rezensent Helmuth Kiesel freut sich über die Wiederentdeckung von Oskar Loerkes Bauernroman und die Edition mit "vorzüglicher Kommentierung". Faszinierend scheint ihm die tragische Geschichte eines leidgeprüften Bauerngeschlechts aus dem Weichselland mit ihren "eigentümlichen" Figuren und skurrilen Lebensgeschichten, die Loerke laut Rezensent geschickt in Rahmen- und Binnenerzählungen darbietet. Die expressive sprachliche Dichte und Wucht des Textes und seine "naturalistische Drastik" scheinen Kiesel ebenso unerhört wie seine Bilderfülle und mitreißende Dynamik.
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