Olivia Laing
Der Garten und die Zeit
Auf der Suche nach einem Paradies auf Erden

S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2025
ISBN 9783103976496
Gebunden, 384 Seiten, 26,00 EUR
ISBN 9783103976496
Gebunden, 384 Seiten, 26,00 EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Thomas Mohr. Ein überwuchertes Eden voller ungewöhnlicher Pflanzen und Geheimnisse: Im Jahr 2020 beginnt Olivia Laing, eine renommierte literarische Stimmn Englands, mit der Restaurierung eines verwunschenen Gartens in Suffolk. In der Erkundung von Sehnsucht und Vergänglichkeit erzählt Laing vom Werden eines Paradieses, bewegt sich zwischen realen und imaginären Gärten der Kulturgeschichte, hinterfragt die manchmal schockierenden Kosten für die Schaffung eines Ideals und macht den Garten als einen explosiven Ort der Rebellion und gemeinschaftlicher Träume aus. Nicht nur unwahrscheinliche queere Utopien und konkrete Visionen eines idealen Zusammenlebens erzählen davon, dass inmitten von Blumenbeeten schon immer neue Lebensformen ausprobiert wurden.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info)
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.06.2025
Rezensentin Sylvia Staude muss bei der Lektüre von Olivia Laings Garten-Buch erstmal googeln, was eigentlich ein sizilianischer Honiglauch oder eine japanische Goldorange sind - aber das Buch empfiehlt sie trotzdem auch allen, die keine Begeisterung fürs Gärtnern haben. Laing hat kurz vor der Covid-Pandemie einen Garten gekauft und verflicht ihre Erfahrungen mit Reflexionen zu den Zusammenhängen von kolonialistischer Wirtschaft und schönen Landschaftsgärten, für die Sklaven schuften mussten, aber auch mit literarischen Beispielen etwa John Miltons "Das verlorene Paradies", in dem Adam und Eva, "süße Gartenarbeit" verrichteten. Ebenso gerne liest Staude von Gärten wie dem Gut "La Foce", das im Zweiten Weltkrieg zur Versorgung Untergetauchter diente und Laings Überlegungen zum utopischen Potential von Gärten, die Arbeit und Freizeit, Erholung und Anregung zusammenbringen. Eine Lektüre, die die Kritikerin durch ihre produktiven und neuartigen Verbindungen überzeugt.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 05.05.2025
"In einer liebenden, rauschhaften Sprache" erzählt Autorin Olivia Laing davon, wie sie sich zu Beginn der Pandemie den lang gehegten Traum von einem eigenen Garten erfüllt hat und nebenbei erfährt Rezensentin Liane von Billerbeck einiges über die Kulturgeschichte des Gärtnerns, etwa, dass ein nicht unerheblicher Teil der englischen Gärten mit Sklavenarbeit und zum Nachteil der allgemeinen Zugänglichkeit des Landes entstanden ist. Aber auch das Paradiesische, das Laing im Untertitel verspricht, nimmt Billerbeck wahr, unter dünnen Hortensien, die aussehen wie "Giacometti-Figuren" oder im Sonnenaufgang, wenn sie die neuen malvenfarbenen Blüten bestaunt, die in den Beeten emporwachsen. Insgesamt freut sich die Kritikerin über die klugen Reflexionen und die poetischen Anregungen Laings, die sie gerne liest.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 03.05.2025
Rezensentin Liane von Billerbeck folgt Olivia Laing sehr gerne auf ihrer Exkursion ins Reich der Gärten. Die britische Journalistin und Essayistin, die sich 2020 ihren Kindheitstraum vom eigenen Garten erfüllte, liefere darin zweierlei, vermittelt von Billerbeck: zum einen das im Titel versprochene Paradiesische, mit "liebenden" Beschreibungen verschiedener Pflanzenarten und besinnlichem Stöbern zwischen den Beeten im Morgenmantel, verfasst in "rauschhafter" Sprache. Zum anderen aber, und das scheint die Kritikerin noch spannender zu finden: Ausführungen zu den historischen und gesellschaftlichen Aspekten des Gärtnerns, die von der Kritikerin "begierig aufgesaugt" werden: etwa zu den sogenannten "Einhegungen", die verharmlosend bezeichnen, wie sich das eine Prozent der Superreichen rund 90 Prozent öffentlichen Lands unter den Nagel riss und durch Sklavenarbeit in prächtige Gartenanlagen verwandeln ließ. Auch um das Gärtnern als Privileg in Lockdown-Zeiten, auf das weite Teile der Bevölkerung nicht ausweichen konnten, geht es, resümiert die Rezensentin. Ein sprachgewaltiges Buch, das von der persönlichen Gartenliebe der Autorin geprägt ist, aber auch darüber hinausblicken kann, lobt von Billerbeck.
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