Oliver Sacks

Onkel Wolfram

Erinnerungen
Cover: Onkel Wolfram
Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2002
ISBN 9783498063528
Gebunden, 384 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Deutsch von Hainer Kober. "Wolfram" heißt der chemische Grundstoff, den man unter anderem zur Herstellung von Glühfäden braucht, und Onkel Wolfram - englisch "Uncle Tungsten" - nannte Oliver Sacks als Kind seinen Lieblingsonkel Dave. Denn dieser betrieb im Londoner Stadtteil Farringdon eine Glühbirnenfabrik, und die Besuche bei Onkel Wolfram in seiner Firma Tungstalite wurden zu prägenden Erlebnissen für den kleinen Oliver...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.2002

Oliver Sacks ist mit seinen Beschreibungen neurologischer Krankheitsfälle berühmt geworden, hier schreibt er von seiner Kindheit und seiner Prägung zur Wissenschaft. Genauer gesagt: der Chemie. Mit dem Onkel, der der Chef einer Glühlampenfabrik ist, fängt alles an, die Wolframgewinnung in den Labors erweist sich als folgenreiches Faszinosum. Im Zweiten Weltkrieg gerät Sacks aufs Dorf, unter Mitschülern und Lehrern leidet er, die Welt der Zahlen und chemischen Verbindungen wird ihm zur Ersatzheimat. Wirklich experimentieren kann er aber erst nach der Rückkehr nach London, die naturwissenschaftlich gebildeten Eltern unterstützen ihn dabei. Hartmut Hänsel beschränkt sich in seiner Rezension weitgehend auf die Nacherzählung, das Resümee aber fällt mit einem Satz kurz, aber sehr positiv aus: die "erleuchtenden Momente des Verstehens großer Zusammenhänge" lassen sich, betont er, in Sacks Bericht wunderbar nachvollziehen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.02.2002

Einen Namen hat sich der Neurologe, Psychiater und Erzähler Oliver Sacks längst gemacht. In seinem neuen Band geht es zwar auch um das Gedächtnis, aber nicht aus neurologischer, sondern aus autobiografischer Sicht, berichtet der Rezensent mit dem Kürzel "rox" in seiner kurzen Kritik. Sacks erinnere sich an seine Kindheit und Jugend, schildere sein brennendes Interesse an der Chemie, das seine Eltern dazu verleitete, ihn bei seinem Onkel Dave, dem man wegen seiner Leitung einer Glühbirnenfirma mit dem Spitznamen "Wolfram" bedachte, unterzubringen. "Rox" findet die unkonventionellen Erinnerungen des Autors, die um Phosphorbomben, Natriumverbindungen und Naphtalin kreisten, recht "veritabel". Auch wenn sie oft frei assoziiert sind, finden sie immer wieder zur Technik- und Chemiegeschichte zurück, freut sich der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.01.2002

Alexander Kissler steht dem Buch mit den Lebenserinnerung vom 5. bis zum 14. Lebensjahr des Neurologen Oliver Sacks zwiespältig gegenüber. Einerseits ist er fasziniert von den vielen naturwissenschaftlichen Eindrücken, die dem Autor vor allem durch seine "durchweg unverwechselbaren Familienmitgliedern" zuteil geworden sind, und er liest beeindruckt von der Mineralienleidenschaft Sacks'. Doch beklagt Kissler sich über "ermüdende" Schilderungen physikalischer Probleme, zu lange Fußnoten und "zu knappe" Porträts seiner für ihn so einflussreichen Verwandten. Und so ist vieles in der Autobiografie zwar "interessant", doch leider nicht "spannend" dargestellt, meint der Rezensent bedauernd.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.01.2002

Was wir nicht alles nicht gelernt haben! Der Rezensent ist baff. Umso größer seine Freude, in dieser Biografie auch über das ein oder andre anregende Experiment oder Ausnahmefiguren wie Faraday oder die Curie zu erfahren und zwar spannender als aus jedem Schulbuch. Der Autor, Sacks, aber ist ein Exzentriker. Das war Reiner Klingholz nie so klar wie nach der Lektüre dieser Jugenderinnerungen, in denen Sacks von frühkindlichen Prägungen wie familiären Musikabenden, der Sektion totgeborener Feten (mit 11!) oder den Privatstunden beim Chemiker-Onkel Tungsten berichtet. Dass Sacks das alles nicht bloß aneinander reiht, sondern Figuren in Charaktere und die Vergangenheit schließlich in lebendige Gegenwart zu verwandeln vermag, hat den Respekt des Rezensenten. Und seinen Neid. Weil es zeigt, "dass ein 'sozialer Uterus' mehr lehren kann als das ganze Internet. Dass sich alles Wissen dieses Universums aufsaugen lässt, wenn man es nur lebendig erfährt".
Stichwörter