Seit sich die Theorie der Bildgeschichten angenommen hat, schlägt sie sich mit müßigen Fragen herum: Sind Comics Kunst? Sind sie vielleicht doch eher Literatur? Oder ganz einfach Trash? Doch ein zwielichtiges Phänomen wie der Comic entzieht sich nicht nur jedem Ab- und Aufwertungsversuch, sondern auch dem Bemühen, es "auf den Punkt" zu bringen, in ein System zu pressen, sei dies nun hoch- oder popkulturell. Comics, argumentiert Ole Frahm, lassen sich nur verstehen, wenn man die ihnen eigene parodistische Ästhetik in den Blick nimmt eine Ästhetik, die die rassistischen, sexistischen und klassenbedingten Stereotypien des 20. Jahrhunderts zugleich reproduziert und reflektiert (so etwa den Antisemitismus in Herges Tim und Struppi).
Mit Adorno den Comic verstehen, das gefällt Christoph Haas. Zumal, wenn der Autor seine hoch gesteckten Ziele auch erreicht. Bei Ole Frahm lernt der Kritiker das Spezifische am Comic, sein ästhetisches Strukturmerkmal kennen: die Parodie. Frahm exemplifiziert es ihm an "Krazy Kat" oder besonders trefflich, wie Haas findet, am Antisemitismus im Werk Herges. Dies alles möglichst dicht und pointiert-essayistisch (Adorno!) und ohne Wiederholungen präsentiert zu bekommen, theoretisch fundiert und präzis in der Argumentation, gern auch mal etwas kryptisch, das lobt sich der Rezensent. Nur für die Abbildungen benötigt er eine Lupe, das ist doch schade.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…