Jedes Gedicht kennt ein Wetter, in dem es entsteht. Eines vor der Tür und eines am Schreibtisch seines Dichters. Nora Gomringer hat ihre Gedichte über einen längeren Zeitraum zusammengetragen und ein Klima aus ihnen entstehen sehen. Klimaforschung ist ein Auftrag in Sachen Lyrik und ein lyrisches Ergebnis. Gedichte sind Ausdruck der Wetterfühligkeit ihrer Dichter. Oder sind sie selbst Wetterlagen? Dichter sind heillose Selbsterforscher, Nabelschauer. Nora Gomringer wettert, wirbelt, schlägt nieder, strahlt und behaucht die Scheiben für ihre Fenstertinte. Nora Gomringer ihre Gedichte selbst vortragen zu hören ist ein Erlebnis. Deshalb liegt Klimaforschung eine CD mit von der Dichterin selbst gesprochenen Texten des Buches bei.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.03.2009
Absolut hingerissen ist Michael Braun vom dritten Gedichtband der Performancekünstlerin Nora Gomringer, die übrigens die Tochter des berühmten Experimental-Poeten Eugen Gomringer ist, wie er uns verrät. In den Gedichten kommen "artifizielle" und "Spoken Word"-Lyrik aufs Schönste zusammen, was der begeisterte Rezensent schon als kleine Sensation feiert. Er schwärmt von der Sprachgewalt der Autorin, was auch die beigegebene CD mit von Gomringer vorgetragenen Gedichten eindrucksvoll belegt, wie er findet. Und wenn auch das ein oder andere Liebesgedicht noch der "bräsigen Einfachheits-Ästhetik" der 70er Jahre verpflichtet ist, so feiert er doch den überwiegenden Teil der Gedichte, die sich um die klimatischen Bedingungen der zwischenmenschlichen Beziehungen drehen, als pure "Magie".
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