Nina Bußmann

Der Mantel der Erde ist heiß und teilweise geschmolzen

Roman
Cover: Der Mantel der Erde ist heiß und teilweise geschmolzen
Suhrkamp Verlag, Berlin 2017
ISBN 9783518425800
Gebunden, 329 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

An einem wolkenlosen Tag in der Karibik verschwindet das Propellerflugzeug mit der 32-jährigen Seismologin Nelly an Bord plötzlich vom Radar. Nach monatelanger Suche werden Trümmerteile in den Wäldern Nicaraguas gefunden. Doch von Nelly weiter keine Spur. Zu Hause in Frankfurt kann ihre Freundin ihr rätselhaftes Verschwinden nicht verwinden. Sie reist nach Managua, quartiert sich in Nellys altem Zimmer ein, liest ihre zurückgelassenen Aufzeichnungen und Tagebücher und spricht mit den Menschen, die mit ihr zu tun hatten, getrieben von einer seltsamen Obsession, die abzulenken scheint von einem Geheimnis in ihrem eigenen Leben. Ihre Suche nach Nelly nimmt mehr und mehr die Züge einer Flucht an. "Der Mantel der Erde ist heiß und teilweise geschmolzen" ist ein Roman über Fremdheit und Einsamkeit, über private und politische Gefährdungen, ein Roman über den Wunsch, zu verschwinden, und die Hoffnung, gesucht und geborgen zu werden, wenigstens in der Erinnerung, im Gespräch. Denn das Verschwinden setzt vielem ein Ende, nicht aber dem Erzählen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.04.2017

Für Paul Jandl war Nina Bussmann früh vollendet. Mit ihrem neuen Roman setzt sie laut Rezensent ihr virtuoses Schreiben fort. Bussmanns Geschichte der Suche nach einer in der Karibik vermissten Seismologin wird zur Suche nach dem Ich, erklärt Jandl, und vermittelt das Gefühl des Unwägbaren, Ungemütlichen. Altmeisterlich schön findet Jandl Bussmanns Sätze. Eine Literatur, so kunstvoll wie wirklichkeitsprall, meint er.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.04.2017

Nina Bußmanns zweiter Roman ist nicht nur ein Glücksfall, sondern auch ein gelungenes Lehrstück über "Fussifizierung", versichert Rezensentin Karin Janker. Denn in ihrer klug konstruierten Geschichte um die 32jährige Geophysikerin Nelly, die plötzlich vom Erdboden verschwindet und fortan von einer entfernten Freundin und nicht näher benannten Ich-Erzählerin gesucht wird, führt die Autorin vor, wie inkohärent und instabil das Ich eines Menschen ist, lobt die Kritikerin. Gebannt folgt sie der namenlosen Soziologin durch Nicaragua, erlebt, wie die Erzählerin an magischen und mythischen Orten mit Bekannten aus Nellys Leben spricht und bewundert, wie Bußmann Chronologie und Perspektiven durcheinanderwirbelt, mit dem Rhythmus der Sprache spielt und einen Ton "jenseits des Gefälligen" findet. Wie die Autorin in ihrem "Erzählexperiment" alle Eindeutigkeiten auf den Kopf stellt, hat Janker gefallen.
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