Nina Bunjevac

Bezimena

Cover: Bezimena
Avant Verlag, Berlin 2020
ISBN 9783964450326
Gebunden, 224 Seiten, 30,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Benjamin Mildner. In einem namenlosen Ort, zu einer unbestimmten Zeit, wird Benny geboren. Er ist ein Kind, das sich schon in frühen Jahren zu einem Sonderling entwickelt, einem nachdenklichen Außenseiter, der lieber Kuriositäten sammelt, als mit seinen Mitschülern zu spielen. Als junger Mann arbeitet er im Zoo, wo er eines Tages Becky wiedersieht, das Objekt seiner Begierde aus Kindertagen. Scheinbar versehentlich lässt Becky ihr Skizzenbuch mit erotischen Zeichnungen im Zoo liegen, sodass Benny es findet. Doch Benny ist längst in seiner eigenen, wahnhaften Welt. Nina Bunjevac verarbeitet in Bezimena auf höchst ungewöhnliche Weise ihre eigenen Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt, in den religiösen Mythos von Bezimena, der "Namenlosen", und als Adaption der griechischen Sage von Artemis und Siproites.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 02.07.2020

Rezensentin Marlen Hobrack ist beeindruckt - nicht nur von der besonderen Ästhetik dieses Comics, sondern auch davon, wie die Autorin ein persönliches Trauma zum ausdrucksstarken Kunstwerk verarbeitet. Erzählt wird die Geschichte eines schüchternen Jungen, den sein Verlangen dazu treibt, das Objekt seines Begehrens sexuell zu nötigen. Die Schwarz-Weiß-Zeichnungen Bunjevacs erinnern den Kritiker an die harten Kontraste der Nouvelle Vague. Eingearbeitet in die Erzählung ist außerdem eine Interpretation des Mythos von Artemis und Siproites - Artemis, die Hüterin des Wilds und der Frauen, verwandelt Siproites in eine Frau, nachdem der sie beim Baden beobachtet hat. Und um eingreifende, grenzenüberschreitende Beobachtung geht es in diesem Comic immer wieder, direkt und indirekt, so die begeisterte und zugleich betroffene Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.05.2020

Rezensent Thomas von Steinaecker muss schwer durchatmen nach dieser Graphic Novel der kanadisch-jugoslawischen Zeichnerin Nina Bunjevac. Brillant, aber auch "widersprüchlich" nennt er den Comic, in dem Bunjevac in eindringlichen Schwarzweiß-Panels und hyperrealistischer Detailversessenheit von Benny erzählt, der im frühesten Kindesalter perverse Neigungen entwickelt, später als pädophiler Hausmeister junge Frauen beobachtet und schließlich des Mordes an drei kleinen Mädchen angeklagt wird. Aber dabei belässt es Bunjevac nicht, klärt Steinaecker auf: Sie spielt nicht nur mit Märchenmotiven oder weckt Assoziationen an Fritz Langs "M", sondern verwendet auch filmische Stilmittel und surrealistische Motive. Und damit nicht genug: Weitere Binnenhandlungen machen die Story noch komplexer. Bei so viel Virtuosität und "ekliger Perversion in schönem Gewand" bleiben allerdings sowohl eine "starke weibliche" Perspektive als auch ein differenziertes Psychogramm auf der Strecke, schließt der Rezensent ein wenig unentschieden.
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