Gartenbilder dokumentieren kunsthistorische Entwicklungen, sowohl in der Gartengestaltung als auch in der Malerei. Zugleich sind sie Reflex der spezifischen gesellschaftlichen, historischen und ästhetischen Konzepte, innerhalb derer Gärten gedacht, geplant und angelegt wurden. Schon in der Antike dienten gemalte Gärten als Kunststück und Genussobjekt. Im mittelalterlichen Weltbild konnten sie als spirituell aufgeladene visuelle Metapher und als ikonographisch bedeutsamer Handlungsort zum Sinnbild theologischer Konzepte und geistiger Ideale werden. Eine pragmatische Funktion erfüllen Gartenbilder, in denen die vergängliche Erscheinung eines wirklichen Gartens festgehalten ist, wobei auch Sozialprestige beansprucht oder Wissen tradiert werden sollte. In seiner Blütezeit im 19. Jahrhundert wurde das Gartenbild für die Maler, die nicht selten selbst als Gärtner aktiv waren, bei der Erprobung bildnerischer Möglichkeiten und neuer Maltechniken zum ästhetischen Experimentierfeld und Ausdruck eines unmittelbaren, impressionistischen Natureindrucks.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.10.2008
Kia Vahland schwelgt im prächtigen Bildband mit Gartengemälden von der Antike bis zur Moderne, die Niels Büttner zusammengestellt hat. Allerdings muss die Rezensentin feststellen, dass es den Malern zunehmend schwerer fiel, dem Garten, sei jeher Ort der Exklusion und des Geheimnisses, Geheimnisvolles abzugewinnen beziehungsweise überhaupt Interesse für das Motiv aufzubringen. Deshalb habe der Kunsthistoriker nach Wassily Kandinskys Gartenimprovisationen gar keine Bilder von Gärten mehr finden können, was wohl der Grund für die Aufnahme der "dekorativen Abstraktionen" Friedensreich Hundertwassers in sein Gartenbuch gewesen sein wird, wie sie vermutet.
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