Nicola Wenge

Integration und Ausgrenzung in der städtischen Gesellschaft

Eine jüdisch-nichtjüdische Beziehungsgeschichte Kölns 1918-1933
Cover: Integration und Ausgrenzung in der städtischen Gesellschaft
Philipp von Zabern Verlag, Mainz 2005
ISBN 9783805334594
Gebunden, 479 Seiten, 51,00 EUR

Klappentext

Dissertation. Wie wirkte sich Antisemitismus in der Weimarer Republik konkret auf das Verhältnis zwischen Juden und Nichtjuden aus? Die Studie verbindet die Geschichte von Integration und Ausgrenzung am Beispiel der Stadt Köln. Sie untersucht die Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden in Alltag, Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Das Verhältnis erscheint als dynamischer Prozeß, der sich im Wechselspiel konkret identifizierbarer Individuen und Institutionen vollzog. Die Betrachtung der sozialen Praxis in der Stadtgesellschaft vermag die These vom "eliminatorischen Antisemitismus" zu revidieren. Zugleich erklärt Wenge, warum in Köln seit 1925 eine Dynamik der Desintegration einsetzte. Damit werden einseitige Interpretationsmuster überwunden, welche die Weimarer Republik entweder als Höhepunkt eines erfolgreichen Integrationsprojekts oder als Vorstufe des Holocausts werten, in der der Antisemitismus bereits vor 1933 alle gesellschaftlichen Bereiche durchdrang.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.12.2006

Nicht zufrieden ist Wolfram Pyta mit Nicola Wenges Untersuchung des jüdischen Lebens in Köln vom Ende des Ersten Weltkrieges bis zum Machtantritt Hitlers. Zwar überzeugt ihn der methodische Ansatz einer Kombination von kulturhistorischer Analyse und der Einbettung in soziale Gruppenzusammenhänge. Aber wirklich "ausgereifte Ergebnisse" kann die Autorin zu seinem Bedauern kaum liefern. Auch wenn ihm die Quellenlage für eine lebendige Rekonstruktion des alltäglichen Miteinanders jüdischer und nichtjüdischer Kölner nicht optimal scheint, wäre seines Erachtens möglich gewesen, das bürgerliche Vereinsleben und das katholische Milieu besser zu erkunden. Vor allem über die Milieueliten, die dem gewalttätigen Antisemitismus entgegenwirkten, hätte er sich mehr gewünscht. Hier hält er der Autorin Versäumnisse bei der Auswertung von Privatnachlässen im Bundesarchiv Koblenz vor. Insbesondere die Kindheitserinnerungen des jüdischen Justizrat Bernhard Falk, eines bedeutenden Exponenten des politischen Liberalismus in Köln, seien ihr entgangen. Auch die Auswertung des reichen Materials über den damaligen Oberbürgermeister Adenauer, den wichtigsten Exponenten der integrationsfreundlichen städtischen Elite, moniert Pyta als oberflächlich und ungenügend. Schließlich kritisiert er Wenges Tendenz, die Aussagekraft der oft nur spärlichen Zeugnisse zu überschätzen.
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