Nicholson Baker

Der Anthologist

Roman
Cover: Der Anthologist
C. H. Beck Verlag, München 2010
ISBN 9783406598432
Gebunden, 256 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Matthias Göritz und Uda Strätling. Paul Chowder - der "Anthologist" - kommt nicht so richtig in die Gänge. Er ist ein Lyriker, der ab und zu mal ein Gedicht veröffentlicht hat und gerade an der Einleitung zu einer neuen Lyrik-Anthologie sitzt. Sein Erfolg hält sich bislang in Grenzen, seine Freundin Roz hat ihn erst kürzlich verlassen, und gleichzeitig denkt er an die großen Dichter der Vergangenheit, die weitaus Schlimmeres erdulden mussten und sich daher zu Recht beklagen durften. Allerdings hat er angekündigt, eine Reihe von wunderbaren Geheimnissen, Tipps und Tricks über die Poesie zu verraten, und da sieht es so aus, als würde die Einleitung etwas länger werden, als er eigentlich gedacht hatte. Was sich nun entspinnt, ist eine außerordentlich unterhaltsame und faszinierende Liebesgeschichte über die Poesie: von Tennyson, Swinburne und Yeats bis zu den Modernen und der Redaktion des "New Yorker".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.07.2010

Rezensent Jürgen Brocan hat sich mit Nicholson Bakers Roman über einen Lyriker, der am Verfassen einer Einleitung für die von ihm herausgegebene Lyrikanthologie scheitert und unter der Trennung von seiner Frau mächtig leidet, augenscheinlich gut amüsiert. Der verzweifelte Protagonist Paul Chowder ist leidenschaftlicher Verfechter des gereimten Gedichts und führt mit Anekdoten und Ausführungen zu Reim und Metrum in die englische und amerikanische Dichtung ein, erfahren wir. Das ist ausgesprochen unterhaltsam, mitunter "provokant" und durchaus anregend, lobt Brocan, der sich nur wundert, dass in der Klage Chowders über den Niedergang des gereimten Gedichts reimende Lyriker der Gegenwart schlicht verschwiegen werden. Nachdrücklich empfehlen kann der Rezensent diesen Roman all jenen Lesern, die bisher nicht viel mit Lyrik anfangen konnten oder gar insbesondere den Reim als unmodern gemieden haben, und er verspricht ein kurzweiliges Lesevergnügen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.05.2010

Ein Mann, Paul Chowder heißt er, hat ein Problem. Er soll eine Einführung zu einer Gedichtanthologie schreiben und kommt dabei nicht recht voran: klassischer Fall einer hier allerdings gleich acht Jahre währenden Vorwortschreibblockade, die noch dazu zum Verlust der Freundin, die es nicht mehr aushält, führt. Was man bei Nicholson Bakers neuestem Buch in Händen hält, ist nun dies doch noch entstandene Vorwort selbst. Ältester aller Schreibblockadenromantricks. Macht aber nichts, findet Jochen Schimmang, den dieses Buch über Lyrik je länger er las, umso mehr gefesselt hat. Weil man nämlich viel über Gedichte lernt und weil, erfreulicher noch, das Buch unbändige Lust darauf mache, eilig zu Gedichtbänden zu greifen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.03.2010

Nicholson Bakers Roman "Der Anthologist" hat Judith von Sternburg in Entzücken versetzt, allerdings ist ein Sinn für englischen Humor für das Vergnügen an der Lektüre unverzichtbar, wie sie betont. Der amerikanische Autor schildert die Nöte des Lyrikers Paul Chowder (zu Deutsch Fischsuppe, wie Sternburg vergnügt mitteilt), der in einer Schaffenskrise steckt, von seiner Frau verlassen wurde und sich seitenweise in der erstaunlich fesselnden Beschreibung von Reimschemata und Versmaßen ergeht. Nachdrücklich lobt die Rezensentin die in ihren Augen, insbesondere was die Gedichtbeispiele angeht, äußerst gewitzte Übersetzung ins Deutsche. Und die Romandarstellung des Zusammenhangs zwischen "Dichtung und Tischtennis" schließlich fand Sternburg äußerst plausibel.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 18.03.2010

Hingerissen ist Jochen Jung von Nicholson Bakers Roman um einen Lyriker, der sich mit dem Verfassen eines Vorworts zu einer Lyrikanthologie schwer tut und außerdem unter der Trennung von seiner Frau leidet. Intensiv nehme der Leser an den Gedanken Paul Chowders teil, der sich über Gedichte, Dichter, Reimformen und Versmaße Gedanken macht, erklärt der Rezensent, der anmerkt, dass es hierbei durchaus von Vorteil sei, sich in der amerikanischen Lyrik auszukennen. Wie es auch das Lektürevergnügen steigert, wenn man die Melodien, die der Ich-Erzähler zu ausgewählten Gedichten notiert, zu entziffern imstande ist, wie Jung wissen lässt. Eine innigere "Liebeserklärung an die Poesie" hat der begeisterte Rezensent lange nicht gelesen, und hier ringt ihm auch die Übersetzungsleistung von Matthias Göritz und Uda Strätling große Bewunderung ab, die gerade bei den lyrischen Zitaten stark gefordert waren.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.03.2010

Dieses Buch ist in der Fiktion, die es entwirft, nur ein Vorwort. Ein stattliches Vorwort von 255 Seiten, zu einer Lyrik-Anthologie mit dem Titel "Reim allein". Erzählt wird sein Leben mit der Poesie darin vom Herausgeber dieser Anthologie, einem Lyrik-Kenner und -Verehrer namens Paul Chowder. Ein strahlender Held ist der Mann nicht. Nicht nur viel zu lang ist, zum Entsetzen seines Verlegers, das Vorwort, sondern auch sehr verspätet wird es fertig. Leider verliert Chowder über der Arbeit auch seine Partnerin. (Offenbar ein Drama für sich.) Und Schulden hat er die Menge. (Er schreibt Literaturkritiken und verlegt Fliesen für zusätzliches Einkommen.) Er ist aber auch, versichert der Rezensent Christopher Schmidt (ohne jeden Zweifel ein Fan des Autors) ein echter Nicholson-Baker-Held. Einer also, der den kleinen Dingen Zauber entlockt. Diesen Zauber enthält für Schmidt auch der neue Roman. Und zu verdanken sei dies den Übersetzern Matthias Göritz und Uda Strätling nicht zuletzt, die Prosa wie Lyrik makellos ins Deutsche gebracht haben.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 20.02.2010

Weniger Kritik als eine amüsante Nacherzählung ist Jörg Magenaus Besprechung des neuen Romans von Nicholson Baker. Im Zentrum der Geschichte steht der "mittelbegabte" Dichter Paul Chowder, der an einem Vorwort für eine Lyrik-Anthologie arbeitet und mühsam seine Verslehre entfaltet. Seine Frau hat ihn verlassen, weshalb Fragen des Lebens und des Reimens, wie der Rezensent höchst plastisch zu schildern versteht, zusammenfallen und gelegentlich sogar recht groteske Verbindungen eingehen.