Aus dem Amerikanischen von Juliane Gräbener-Müller und Nicolaus Stingl. London, 1714: Der Naturphilosoph, Puritaner und Querdenker Daniel Waterhouse kehrt als alter Mann nach England zurück. Er hat der hohen See und berüchtigten Piraten getrotzt, um in der Heimat im erbitterten Streit zwischen Newton und Leibniz zu vermitteln. Doch kaum angekommen, sieht Waterhouse sich bereits in ein Komplott verstrickt. Einwahrhaft teuflischer Anschlag auf den Londoner Tower zielt auf die Vernichtung der sich entwickelnden modernen Geldwirtschaft im Empire, und damit letztlich auf die Zerstörung der neuen Weltordnung. Im Zentrum dieser Umtriebe steht Jack Shaftoe, König der Vagabunden und Newtons Nemesis. Allerdings treibt ihn nicht sein Hang zu perfiden Schurkenstreichen in dieses finstere Spiel, sondern seine Liebe zu der einzigartigen Eliza. Deren Lebensweg führte von einem türkischen Harem erst an den Hof des Sonnenkönigs und schließlich sogar zu einer eigenen Grafschaft. Nun aber setzt Ludwig XIV. Eliza als lebendes Unterpfand in seinem Ringen um die Macht in Europa ein.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.05.2009
Das Monumentale steht Neal Stephensons mit diesem Band abgeschlossenen Barock-Zyklus durchaus gut, findet Hartmut Kasper. Wer wie Stephenson Königin Anne von England, Ludwig XIV., Isaac Newton, Astronomen, Huren und Piraten antreten lässt, so legt unser Rezensent nahe, um eine irrwitzig komplexe Handlung um das Falschmünzertum im frühen 18. Jahrhundert in Gang zu setzen, der darf das. So schwelgt er bald mit dem Autor im Barock auf Breitwand, in Intrigen und Attentaten und Maskeraden - im Spektakel eben. Bei all der Action allerdings hat der Autor immer wieder auch die Muße, die Ereignisse "minutiös-mikroskopisch" auszubreiten oder den Leser in Exkurse und Fußnoten zu verhaken. Kasper aber scheint das in Ordnung zu finden und freut sich an der ungeschönten Vergegenwärtigung einer wissens- wie wunderhungrigen Epoche in "drastischen Bildern". Zum Schluss noch mal zum Mitschreiben vom Rezensenten: Dies ist kein historisches Dokumentarspiel, sondern ein Abenteuerroman, einer von der prallen, grellen Sorte, der alle Register zieht. In den besten Momenten des Buches, meint Kasper, funktioniert das auch.
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