Neal Gabler

Ein eigenes Reich

Wie jüdische Emigranten Hollywood erfanden
Cover: Ein eigenes Reich
Berlin Verlag, Berlin 2004
ISBN 9783827003539
Gebunden, 670 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Klaus Binder und Bernd Leineweber. Hollywood gilt seit seinen Anfängen als eine Traumfabrik, der es gelungen ist, mit ihren Bildern tief in das kollektive Unbewusste einzudringen. Wie aber fing alles an? Wie konnte es diese mächtige Stellung erlangen? Wer sind die Väter dieser beispiellosen Erfolgsstory? Die prägenden Gestalten der Gründungszeit Hollywoods waren fast ausschließlich jüdische Emigranten aus Europa. Neal Gabler verfolgt im Einzelnen die Lebensgeschichten von Harry Cohn, William Fox, Carl Laemmle, Louis B. Mayer, Jack und Harry Warner und Adolph Zukor, die als Studiogründer und "Film-Magnaten" den Siegeszug Hollywoods und damit des Mediums Film insgesamt maßgeblich beeinflussten.
So zufällig sie jeweils beim Film landeten: Die noch in den Kinderschuhen steckende Filmbranche erwies sich für diese Männer als besonders verlockend, weil sie keine sozialen Schranken kannte und weil mit etwas Unternehmungsgeist und wenig Kapital der Einstieg ins Geschäft möglich war. Die herausragende Leistung und Vision der "Hollywood-Juden" bestand darin, dass sie ein unvergleichliches Gespür für den sich entwickelnden "amerikanischen Traum" hatten und die Organisation und Maschinerie aufbauten, um diese Träume auf Zelluloid zu bannen. In ihrem Drang nach Anpassung erschufen sie sich gewissermaßen "ein eigenes Reich" und paradoxerweise zugleich auf der Leinwand ein neues, mythisches Amerika mit Werten, Traditionen und Archetypen, die bis heute wirksam sind. Mit unverkennbarem Respekt vor den Leistungen und Persönlichkeiten seiner Helden liefert Neal Gablers detailreiches Buch einen Beitrag zur Kultur- und Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 10.01.2005

Wer sich für die Gründerzeit des Hollywoodkinos interessiert, sollte Neil Gablers Studie "Ein eigenes Reich. Wie jüdische Emigranten Hollywood erfanden" lesen, die 15 Jahre nach ihrem Erscheinen nun auch auf Deutsch erhältlich ist. Rezensent Jörg Becker lobt vor allem die psychologischen Porträts der Gründerväter im ersten Teil. Der Autor arbeite präzise heraus, welches Motiv die zumeist aus Osteuropa eingewanderten jüdischen Gründer einte: das Streben nach Anerkennung auf einem Gebiet, "wo sie nicht von der White-Anglo-Saxon-Protestant-Führungsschicht dauerhaft ausgegrenzt blieben". Ein "besonders starkes Kapitel" ist für den Rezensenten die Beschreibung der Kommunistenhetze der überwiegend reaktionären Führungsetage Hollywoods. Auch den Vergleich von Stil und Image der Studios findet Becker gelungen, etwa die Gegenüberstellung der "eleganten Helden von MGM" mit den "rebellischen, toughen Selfmadeaufsteigern a la James Cagney von Warner Bros." oder den "kontinentalen Liebhabertypen von Paramount". Die "zentrale Aussage" des Buches sei aber die Dialektik zwischen den produzierten Bildern und ihren Herstellern. Der Autor zeige, wie sich durch das idealisierte Amerikabild der nicht-amerikanischen jüdischen Einwanderer das Land schließlich neu erfand.
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