Navid Kermani

Entlang den Gräben

Eine Reise durch das östliche Europa bis nach Isfahan

Klappentext

Ein immer noch fremd anmutendes, von Kriegen und Katastrophen zerklüftetes Gebiet beginnt östlich von Deutschland und erstreckt sich über Russland bis zum Orient. Navid Kermani ist entlang den Gräben gereist, die sich gegenwärtig in Europa neu auftun: von seiner Heimatstadt Köln nach Osten bis ins Baltikum und von dort südlich über den Kaukasus bis nach Isfahan, die Heimat seiner Eltern. Mit untrüglichem Gespür für sprechende Details erzählt er in seinem Reisetagebuch von vergessenen Regionen, in denen auch heute Geschichte gemacht wird.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.02.2018

Rezensentin Claudia Mäder zeigt sich etwas enttäuscht von Navid Kermanis Reisereportagen aus von der Geschichte erdrückten Weltgegenden, vornehmlich in den postsowjetischen Ländern, in Weißrussland, Litauen und Polen. Ob auf der Krim, in Berg-Karabach oder in den "bloodlands" von Hitler und Stalin - stets kann der Autor zwar das Grauen vermitteln, das mit diesen Orten verbunden ist. Doch Kermanis Gespräche mit Künstlern, Intellektuellen und Wissenschaftlern bieten der Rezensentin meist nur flüchtige Schlaglichter der Erinnerung, keine kompakten Stimmungsbilder. Hätte sich der Autor mehr der Gegenwart zugewandt, ahnt Mäder, der kulturelle Reichtum seiner Reiseziele wäre dem Leser deutlicher aufgegangen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.02.2018

Ein Tag in Kaunas, einer in Kiew, einer in Grosny, zwei in Tiflis... Navid Kermani hat ein ganz neues Genre geschaffen: die "Hochgeschwindigkeitsreportage", spottet Rezensentin Sonja Zekri. Doch Kermani ist ein guter Reporter und mit Hilfe des Spiegel, der ihm interessante Begleiter und Gesprächspartner besorgt hat, macht er das beste draus, schiebt die Rezensentin mildernd nach. Doch im großen und ganzen lässt sie keinen Zweifel daran, dass Kermani inhaltlich hier wenig zu bieten hat. Wenig Kenntnisse Osteuropas, die ihn zu gelegentlich haarsträubenden Erkenntnissen führten (nein, Michail Saakaschwili ist "keine Hoffnung Europas", stöhnt Zekri auf) und eine Fixierung auf Leid und Elend an vielen Orten, die jede positive Entwicklung ignoriert. Den Iran würde er nicht gern so behandelt wissen, denkt sich die Rezensentin.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.02.2018

Rezensent Rainer Hermann reist mit Navid Kermanis, wie er findet, lesenswertem neuen Buch von Köln aus quer durch Osteuropa und Russland bis in den Iran nach Isfahan. Entlang der Vernichtungslager und Kriegsstätten erkennt der Kritiker, dass insbesondere in Osteuropa Kriege und Katastrophen in der Geschichte "allgegenwärtig" sind, im tschetschenischen Nationalmuseum von Grosnyi dagegen nicht an die beiden Kriege mit Russland erinnert wird. Trotz Stationen in Auschwitz oder Litauen, wo während des Zweiten Weltkrieges 95 Prozent aller dort lebenden Juden getötet wurden, kann ihm Kermani Hoffnung vermitteln: Hermann liest Kermanis Buch als "flammendes Plädoyer" für Europa, in dem ein friedvolles Nebeneinander möglich ist. Während er vor allem Kermanis Begegnungen mit einheimischen Schriftstellern, Historikern und Philosophen lobt, erscheint ihm der Bericht aus dem Iran weniger stark als der Rest des Buches.
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