Naomi Alderman

Die Gabe

Roman
Cover: Die Gabe
Heyne Verlag, München 2018
ISBN 9783453319110
Kartoniert, 480 Seiten, 16,99 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen Sabine Thiele. Es sind scheinbar gewöhnliche Alltagsszenen: ein nigerianisches Mädchen am Pool. Die Tochter einer Londoner Gangsterfamilie. Eine US-amerikanische Politikerin. Doch sie alle verbindet ein Geheimnis: Von heute auf morgen haben Frauen weltweit die Gabe - sie können mit ihren Händen starke elektrische Stromstöße aussenden. Ein Ereignis, das die Machtverhältnisse und das Zusammenleben aller Menschen unaufhaltsam, unwiederbringlich und auf schmerzvolle Weise verändern wird.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.05.2018

Für Susanne Lenz ist Naomi Aldermans Roman keine Dystopie, sondern ein Spiegel der furchtbaren Gegenwart. Dass Frauen Männer mit Stromschlägen aus einem neu gewachsenen Organ niederstrecken können wie im Buch, ist allerdings nicht real. Lenz zieht aus dieser kleinen aber wirkungsvollen Abweichung Nervenkitzel und allerhand Gedankenanstöße. Den vier Hauptfiguren im Text folgt sie einigermaßen atemlos, wenn die Kraft- und Machtverhältnisse sich plötzlich umkehren. Durch den fiktiven Dreh erfährt Lenz, wie das Machtgefälle auch im Kleinsten wirkt, aber auch, dass die Macht die Frauen ebenso korrumpiert wie zuvor die Männer. Eine bessere Gesellschaft bewirken die neue Superpower nicht. Und das ist dann schließlich doch dystopisch.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.05.2018

Kathleen Hildebrand findet Naomi Adelmans "kluge" Sci-Fi-Satire über die Machtergreifung der Frauen mittels eines Organs, das Stromschläge verteilen kann, zeitgemäß. Dem sichtlichen Spaß der Autorin am Ausmalen der Idee und ihrer grundstürzenden Folgen folgt laut Hildebrand im Buch allerdings kein feministisches Utopia. Dass Margaret Atwood Adelmans Mentorin beim Schreiben war, merkt Hildebrand an der skeptischen Sicht auf die Dinge. Dem Umsturz folgt in der Geschichte ein Matriarchat, das dem patriarchalen System an Brutalität und Ungerechtigkeit nicht nachsteht, erklärt die Rezensentin. Darin aufgehoben ist für Hildebrand die finstere Erkenntnis, dass körperliche Gewalt noch immer der alles bestimmende Mechanismus ist.
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