Najem Wali

Engel des Südens

Die Bücher von Amaria
Cover: Engel des Südens
Carl Hanser Verlag, München 2011
ISBN 9783446236431
Gebunden, 512 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Arabischen von Imke Ahlf-Wien. Nach dreiundzwanzig Jahren Exil kehrt Harun in seine Heimatstadt Amaria im Irak zurück. Zwischen den Ruinen, die der Krieg hinterlassen hat, stößt er auf der Suche nach der eigenen Vergangenheit auf eine Inschrift, die er als Kind hinterlassen hat: "Der Engel des Südens". So nannte er das Idol seiner Jugend, eine Jüdin, die für ihn das goldene Zeitalter verkörpert, als die Ethnien und Religionen noch friedlich zusammenlebten. In dieser und unzähligen anderen Geschichten bringt Najem Walis historisch profunder und märchenhafter Roman die dramatische Vergangenheit aus Krieg, Diktatur, aber auch Sehnsucht und Hoffnung einer einst multikulturellen Stadt ans Licht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.07.2011

Eindeutig ambivalent ist Astrid Kaminskis Haltung zu diesem jüngsten Roman des in Deutschland lebenden irakischen Autors Najem Wali. Ganz und gar bewundernswert findet sie die komplexe erzählerische Konstruktion dieses Buchs, das offiziell als Roman ausgewiesen ist. Der Status der hier erzählten Dreiecksgeschichte, beziehungsweise der Status des Verhältnisses des Autors zu seinen Protagonisten und ihrer Biografie, ist allerdings ganz programmatisch unklar. Schließlich heißt eine Hauptfigur Harun Wali und hat dann auch noch ein Alter Ego namens Naim Wali. Einerseits geht es um eine erotisch-platonisch ausbalancierte Liebesgeschichte, andererseits aber gleich um die Geschichte des Irak im 20. und 21. Jahrhundert, also "Pogrome, Folter, Mord". Bei allem Lob für Konstruktion und Ambition gibt es auch deutlichen Tadel: "Überzeichnet" findet Kaminski die strahlenden Helden, "banal" die noch dazu allzu oft wiederholten Schlüsselsätze dieses Romans.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.06.2011

Dieses Buch ist mit viel Interesse und Leidenschaft geschrieben worden, meint Andreas Fanizadeh nach der Lektüre von Najem Walis literarischer Irak-Chronik "Engel des Südens". In diesem herausragenden Epos hat der Rezensent viel über die postkoloniale Geschichte des Landes erfahren, so erlebt er etwa mit der Figur des antiimperialistisch eingestellten, jüdischen Arztes Gabbay, wie es durch das antiisraelischem Regime dazu kam, dass von den ehemals 150.000 Juden heute noch höchstens 50 im Irak leben. Neben Themen von aktueller politischer Brisanz liest Fanizadeh das Buch auch als Liebeserklärung an den alten, kosmopolitischen Irak und bewundert, wie "sensibel" und zugleich "nüchtern" der Autor von seinen Erinnerungen an Kinos, Nachtclubs, jüdische Lieder und humanistische Ideale berichtet. Dass Wali die beiden Autoren Ezra Pound und T. S. Eliot in seine Geschichte verwebt, als wären sie damals im Irak gewesen, imponiert dem Rezensenten. Für Fanizadeh ist dieses Buch nicht nur ein "literarischer Genuss", sondern auch ein kenntnisreiches, dringend notwendiges Werk der "Selbstermächtigung".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.05.2011

Sabine Berking lässt sich von der Märchenhaftigkeit der Geschichte und den Figuren in diesem Roman von Najem Wali mitreißen. Die zwischen Fiktion und Fakten heraufbeschworene Erinnerung des exilierten Erzählers an eine verlorene, von ethnischer Vielfalt geprägte Heimat namens Irak liest sie als nationale Tragödie, beginnend mit britischer Besatzung, endend mit Saddam Hussein. Wali, erläutert uns Berking, beschreibe den Niedergang seiner eigenen Heimat schonungslos in Szenen der Unterdrückung und Verfolgung von Minderheiten, vor allem der irakischen Juden. Den plötzlichen Umschwung von Freund zu Feind findet sie eindringlich dargestellt in all seiner Bitterkeit und Ironie.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.04.2011

Sehr gern ist Rezensentin Irene Binal dem Autor Najem Wali gefolgt, der sich mit diesem Buch auf eine Reise durch die jüngere irakische Geschichte begibt, immer auf dem schmalen Grat zwischen Realität und Fantasie. Der Roman erzählt die Geschichte dreier Freunde, der Jüdin Malaika, des Sabäers Nur und des Muslim Naim, die alle ihren Platz in der Welt suchen und immer wieder in den Strudel der politischen Ereignissen der sechziger und siebziger Jahre gerissen werden. Wie sie dabei um Würde und Integrität kämpfen, ringt der Rezensentin großen Respekt ab. Allerdings warnt Binal vor: In diesem Roman sei kaum noch etwas von Najem Walis poetischem Erzählen zu spüren, das "Geheimnisvoll-Träumerische" sei einer "ungewohnten Härte" gewichen, die die Geschichte eines gebeutelten Landes in all ihrer Düsternis als "Chronik des Schreckens" erzähle.
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