Nadja Klinger erzählt von der verwegenen Gründung des Chores "High Fossility": wie die Musik aus Fremden eine Gemeinschaft macht, Tage im Tonstudio zur Zerreißprobe werden und eine Konzertreise zum Wunder von Frankfurt gerät. Und sie erzählt die Geschichten seiner Mitglieder: Sie sind in den Ruinen zerbombter Städte geklettert und dem Muff der fünfziger Jahre entkommen, ihre Jugend prägten Mauerbau, Studentenbewegung, Kommunen, Woodstock, Rock, Reggae und Pop. All das legen sie nun in ihre Stimmen, die nicht perfekt sein müssen, denen man anhören darf, was sie erlebt haben. Ein bewegendes Buch darüber, wie das Leben seinen Rhythmus findet und seinen Klang, ein Buch über die zerbrechliche Freundschaft mit dem Altsein und die Kraft, die man daraus ziehen kann.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 27.05.2014
Über das Leben lachen konnte Judith von Sternburg des Öfteren bei der Lektüre von Nadja Klingers Buch über einen Berliner Laienchor für ältere Bürger. Die Lebensläufe, die Klinger hier nacherzählt, intensiv, interessiert, gut beobachtend, witzig und nie mit großen Thesen prahlend, wie Sternburg versichert, handeln vom Singen, vor allem aber von Pleiten und Glücksmomenten des Lebens, vom Älterwerden und vom Glück der Gemeinschaft. Dass ein Buch übers Singen sie dermaßen mitreißen könnte, hätte die Rezensentin nicht für möglich gehalten.
Ulrich Stock weiß, dass es erstmal merkwürdig anmuten könnte, ein Buch über einen Neuköllner Chor zu empfehlen, der nur aus alten Leuten besteht, die noch dazu nicht besonders gut singen können. Nadja Klinger hat ihr "High Fossility" aber so direkt und klar geschrieben, dass er nicht anders kann, meint der Rezensent, sie beschreibt die knackenden Gelenke abgenutzter Leiber und die eigentümliche Stimmung in einer Gruppe, deren Mitglieder allesamt den Großteil ihres Lebens hinter sich haben. Wenn man anschließend seiner Neugier nachgibt und dem Chor im Internet lauscht, ist es eine ernüchternde Erfahrung, warnt Stock.
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