Die Thomaskantoren des 17. und 18. Jahrhunderts gehörten zu den bedeutendsten Komponisten ihrer Zeit. Aber was zog diese herausragenden Künstler - allen voran den Köthener Kapellmeister Johann Sebastian Bach - in eine städtische Knabenschule und spornte sie an, hier auf höchstem Niveau kontinuierlich neues Repertoire zu schaffen, das die protestantische Kirchenmusik in ganz Deutschland prägen sollte? Was machte die Strahlkraft der Schule aus, deren "berühmbter Chor" schon 1648 von Heinrich Schütz als einzigartig gerühmt wurde und die im ausgehenden 18. Jahrhundert als der Inbegriff eines "wahren musikalischen Conservatoriums" galt? Michael Maul ergründet auf der Basis umfangreicher Quellenstudien und zahlreicher neuer Dokumentenfunde die Entwicklung des Phänomens Thomasschule. Und er zeigt in anschaulichen Porträts, wie die einzelnen Thomaskantoren, aber auch kunstsinnige Rektoren und Mäzene die beispiellose musikalische Erfolgsgeschichte der Institution stetig fortschrieben - und damit den Grundstein für die bis heute ungebrochene Tradition des Thomanerchors legten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.12.2012
Michael Mauls Geschichte der Leipziger Thomasschule und ihrer Kantoren von 1212 bis 1804 scheint für den Rezensenten Hermann Unterstöger rundum gelungen zu sein. Auf der Grundlage zahlreicher alter und neuer Quellen arbeitet der Autor für ihn überzeugend das Profil der Schule heraus und erläutert, warum es die großen Namen der protestantischen Kirchenmusik an diese Schule zog. Unterstöger lobt Mauls Erzählfreude sowie seine anschauliche und lebendige Darstellung, die sich gleichwohl immer auf fachlich höchsten Niveau bewegt und von profunden Sachkenntnissen zeugt. Spürbar ist für ihn die Leidenschaft, mit der sich der Autor seinem Thema widmet. Besonders gefallen hat ihm zudem die reiche Ausstattung des Bands mit Archivalien wie Schulordnungen, Briefen, Protokollen, Prüfungsberichten und Beschwerden.
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