Murat Güngör, Hannes Loh, Uh-Young Kim

Remix Almanya

Eine postmigrantische HipHop-Geschichte
Cover: Remix Almanya
Hannibal Verlag, Innsbruck 2024
ISBN 9783854457770
Gebunden, 400 Seiten, 27,00 EUR

Klappentext

"Remix Almanya" schreibt die Geschichte von HipHop neu. Murat Güngör und Hannes Loh begraben "Deutschrap" und untersuchen die größte Popkultur des Landes als erstes postmigrantisches Phänomen, das Deutschland für immer verändert hat. Sie zeichnen zusammen mit Musikjournalist Uh-Young Kim die erstaunliche Entwicklung vom sogenannten Gastarbeiter zum Rapstar nach - entlang von historischen Umbrüchen, Rassismus und Empowerment gegen alle Widerstände. Wichtige Stimmen aus migrantischen, schwarzen und transnationalen Communities rücken dabei erstmals in den Mittelpunkt und kommen selbst zu Wort - unter anderem die Rap Artists Xatar, Eko Fresh, Apsilon, Ebow, Megaloh oder die Anadolu-Rock-Band ENGIN, Filmemacher Cem Kaya, Schriftsteller Dinçer Güçyeter, Podcasterin und Moderatorin Miriam Davoudvandi, sowie HipHop-Forscherin Heidi Süß und Migrationsexpertin Naika Foroutan.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.01.2025

Dem Rezensenten Marius Magaard ist es wichtig festzuhalten - und er ist sich hier mit den Autoren der Anthologie wohl einig -, dass es sich bei postmigrantischen deutschen Rappern von Aggro Berlin über Haftbefehl bis Ebow um "vernachlässigte migrantische Stimmen" handelt. Darum begrüßt er auch den Ansatz der Autoren, die die Geschichte des Genres in einen politischen Kontext einbetten. Wichtig ist Magaard auch das Thema "kulturelle Aneignung", dieser Vorwurf komme in der deutschen HipHop-Geschichte der Neunziger bislang wirklich zu kurz. Als Champions des sich "bereichernden bürgerlichen, weißen Mittelstands" erscheinen ihm dabei die "Fantastischen Vier". Aber wie gesagt: Noch mehr brennt Magaard und offenbar auch den Autoren des Buchs die politische Perspektive auf den Nägeln: Für sie ist deutscher Hiphop nur zu verstehen, wenn man die Widrigkeiten, denen er ausgesetzt war, von Kohls Feindseligkeit gegenüber Einwanderern bis hin zu Sarrazin und dem Attentat von Hanau als Kontrastfolie setzt. Dabei verschweigt der Band auch die notorische Frauen- und Schwulenfeindlichkeit postmigrantischer Rapper besonders in der "Aggro-Berlin-Ära" nicht. Auch hierfür bietet er zu Magaards Erleichterung eine Erklärung: Man muss diese Probleme im "politischen Kontext des neoliberalen Wohlstandsversprechens der Schröder-SPD-Kanzler-Ära" sehen, so der hoch zufriedene Rezensent.
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