Multatuli

Die Abenteuer des kleinen Walther

Roman
Cover: Die Abenteuer des kleinen Walther
DuMont Verlag, Köln 1999
ISBN 9783770145546
gebunden, 958 Seiten, 32,72 EUR

Klappentext

Die große Gesellschaftssatire von Multatuli, dem wichtigsten niederländischen Autor des 19. Jahrhunderts, liegt hiermit in einer neubearbeiteten Klassiker-Ausgabe vor. Die Abenteuer des kleinen Walther zeigen das Staunen eines jungen Menschen: O Gott, wie ist dies Leben reich! Dem kleinen Walther erscheint die Welt so wunderbar wie ein Roman. Doch bald muß er feststellen, daß das Leben andere, beklemmende Seiten hat. In den Niederungen des Amsterdamer Judenviertels stößt er auf niederschmetternde Zustände - autobiographische Erinnerungen des Autors an seine Zeit als Kaufmannslehrling.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.05.2000

Multatuli erweise sich mit dieser "liebevollen Kleinbürgerkritik" als "genuiner Erzähler", meint Martin Zingg. Der Roman sei "höchst vergnüglich", auch wenn man mit der Zeit eine "gewisse Beliebigkeit" feststelle. Dafür macht Zingg jedoch nicht den Autor verantwortlich. Es liegt, wie er ausführlich erklärt, vor allem an der Herausgabepraxis. Multatuli hatte das Buch nie als Roman geschrieben, sondern unzählige Beobachtungen und Reflexionen um den "kleinen Walter" in einem siebenbändigen Werk, den "Ideen", gesammelt. Drei Jahre nach seinem Tod hatte der Verlag diese dann zu einem "Roman" zusammengestellt. Zingg lobt die Neuausgabe des lange vergriffenen Buchs durch den DuMont Verlag als "verdienstvoll", aber er vermisst doch ein Nachwort, einen Kommentar oder wenigstens einen "Hinweis auf das editorische Vorgehen". Auch die Übersetzung, die auf Wilhelm Spohrs 1902 erschienene Übersetzung zurückgeht und von Arnold Thünker bearbeitet worden ist, findet er nicht rundum gelungen: "So hat das so vergnüglich redselige Buch seine vielen sprachlichen Seltsamkeiten", resümiert er.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.12.1999

Hinter dem lateinischen Pseudonym steckt hier Eduard Douwes Dekker (1820 - 1887), seines Zeichens einmal "famosester Poet der Niederlande", enthüllt uns K. H. Kramberg gleich zu Anfang. Als Kolonialbeamter in Niederländisch-Indien an seiner Sympathie für die Bevölkerung ("Eingeborene", schreibt Kramberg) gescheitert, schrieb Dekker im deutschen Exil diesen Roman, eine Erkundung "des sechsten Weltteils", nämlich des Menschen. Ein teuflisches und göttliches Verwirrspiel "für fortgeschrittene Leser", meint Kramberg in seiner Besprechung, und ist schon am Ende, bevor er genaueres mitgeteilt hat. "Inhalte sind austauschbar", wie der Roman offenbar auch.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.11.1999

Unter dem Titel "Perlentaucher fürchten den Schmodder nicht" liefert Stephan Wackwitz eine begeisterte Besprechung des Romans, die zugleich eine strenge Kritik an der Übersetzung und Ausgabe beinhaltet. Multatuli, mit wirklichem Namen Eduard Douwes Dekker, gehört für Wackwitz zu den ganz großen Schriftstellern des 19. Jahrhunderts. Zugleich nehme er, im Anschluss an Romanciers des 18. Jahrhunderts, avancierte Techniken voraus, die man eigentlich erst als Leser des 20. Jahrhunderts würdigen könne. Die "Abenteuer..." ein Teil der siebenbändigen Ideen seien, so Wackwitz, "ein ganz inkommensurables Buch", eine geniale Mischung aus Essay, Erzählungen und Aphorismen, und ein so anstrengendes wie bewundernswürdiges "Arsenal der originellsten Erzählformen". Besonders bedeutsam findet Wackwitz, dass Multatuli an den deutschen Erziehungsroman, etwa den "Wilhem Meister" anschließt - eine niederländische Hommage an den deutschen Geist, die in Deutschland ungerechterweise unbekannt blieb. Schlimm aber dann, was Wackwitz zu Ausgabe und Übersetzung schreibt: Man habe einfach eine alte Übersetzung von 1902 neu bearbeitet. Nach Wackwitz ist diese Übersetzung mit ihren "sprachlichen Verzweiflungen" kaum zu retten. Fatal weiterhin der Verzicht auf einen Kommentar - so dass der heutige, der niederländischen Geschichte unkundige Leser die meisten Anspielungen kaum verstehe. Auch ein Vor- oder Nachwort über den hierzulande fast unbekannten Autor, so Wackwitz, wäre mehr als angebracht.
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