Monika Wagner

Marmor und Asphalt

Soziale Oberflächen im Berlin des 20. Jahrhunderts
Cover: Marmor und Asphalt
Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2018
ISBN 9783803136718
Kartoniert, 208 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Elegant geschwungene Glasfassaden, vor denen auf glatten Asphaltstraßen schnittige Cabriolets dahingleiten - im Berlin der 1920er Jahre lässt sich das Lebensgefühl der Moderne zuallererst am Material der Bauten und Verkehrswege ablesen. Nach 1945, in der geteilten Stadt, wird die ideologische Debatte zwischen Ost und West nicht zuletzt an ihren Häuserfassaden ausgetragen: Vertikale, aufwärtsstrebende Fenster für den sozialistischen Menschen in der Stalinallee stehen dem schweifenden Blick aus den horizontal gelagerten Fenstern im Westberliner Hansaviertel gegenüber. Nach dem Fall der Mauer musste sich die Stadt zwischen dem Wunsch, das alte Berlin zurückzugewinnen, dem Ringen um anspruchsvolle Architektur aus modernen Materialien und den Vorstellungen internationaler Investoren neu erfinden. Monika Wagner, Kunsthistorikerin und Expertin für das Material in der modernen Kunst, betrachtet die Großstadt Berlin und ihre öffentlichen Räume in drei markanten geschichtlichen Momenten des 20. Jahrhunderts und fokussiert dabei die Oberflächen, die man zuerst wahrnimmt, berührt, betritt. Anhand des Stoffs, aus dem die Stadt besteht, sieht Wagner auch das urbane Leben in neuer Perspektive.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.07.2018

Michael Mönninger erfährt von der Hamburger Kunsthistorikerin Monika Wagner, wie Materialien in der Architektur den Tast- und Sehsinn affizieren und auf ästhetische Weise für Distinktion sorgen. Dem von der Autorin geprägten Begriff der "sozialen Oberflächen" und seiner Exemplifizierung an den Bauten der ehemaligen Stalinallee und dem Hansaviertel in Berlin folgt Mönninger mit Interesse, entdeckt allerdings, dass die Autorin die politischen Verwerfungen hinter den Bauprojekten, Arbeiteraufstand und Enteignungen, ausblendet. Dass Wagner symbolisch zu deuten neigt, ohne die Gegenstände phänomenologisch, physisch und sinnlich als Stellvertreter für eine Gesinnungsethik zu sehen, hält Mönninger für einen Mangel.

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