Gustav Klimt ist der unangefochtene Star unter den Künstlern des Wiener Fin-de-Siècle und einer der "teuersten" Maler der Welt. Er hat nicht nur zahlreiche Ikonen geschaffen, er hat sich auch konsequent für die Freiheit der Kunst eingesetzt. Wie Klimts Persönlichkeit, so wird auch seine Kunst bis heute gerne vereinfacht dargestellt. Aber weder dem Mann und Künstler, noch seinen Werken wird man damit gerecht. Klimt bietet eine Tiefe, über die die Ästhetik seiner Bilder leicht hinwegtäuscht. Das spiegelt sich auch in den zahlreichen Büchern über Klimt, die ungesicherte Anekdoten reproduzieren und den Mythos befeuern, am liebsten den von Klimt als Weiberheld.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.02.2018
Zu Gustav Klimts hundertstem Todestag liegt nun diese Biografie vor und Rezensentin Katharina Rudolph warnt vor: Eine Biografie im eigentlichen Sinne ist das nicht. Denn Mona Horncastle, Autorin und Verlegerin und Alfred Weidinger, langjähriger Kurator am Wiener Belvedere und zur Zeit Direktor des Museums der bildenden Künste in Leipzig, halten sich nicht lange mit Leben und Lieben des Malers auf, informiert die Kritikerin, die diesem Werk dennoch einige abseitige, teils unerwähnte, teils in neuen Zusammenhängen beleuchtete Einblicke verdankt. So liest Rudolph hier etwa nach, wie Baldur von Schirach, verantwortlich für die Deportation österreichischer Juden, mit einer Ausstellung im Jahre 1943 versuchte, Klimt "nazisalonfähig" zu machen oder erfährt, wie sehr sich Klimts Frauendarstellungen auch inhaltlich in den großformatigen Porträts und den weniger bekannten Aktzeichnungen unterscheiden. Auch wenn eine aktuelle Klimt-Biografie noch fehlt, hat Rudolph dieses Buch mit Gewinn gelesen.
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