Guggolz Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783945370537 Gebunden, 336 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Aus dem Armenischen und mit einem Nachwort von Susanna Yeghoyan. Mkrtitsch Armen (1906-1972) schuf mit "Jerewan" einen Roman, der einerseits als Hommage an die alte Metropole Jerewan und ihre vielfältige Kultur, und andererseits als Kritik an der autoritären Umgestaltung des Stadtbilds gelesen werden kann. Jerewan soll in den 1920er Jahren neu geplant werden - vermessen, entworfen, abgerissen und wieder aufgebaut. Arschak Budarjan, in Leningrad ausgebildeter Architekt, kehrt für diese Aufgabe in die geliebte Stadt seiner Herkunft zurück. Doch in Jerewan werden die ästhetischen und politischen Fragen der Zeit ausgetragen: Soll der Fortschritt radikal die Wurzeln ausreißen und etwas gänzlich Neues schaffen? Oder soll er sich an der Wurzel die Kraft holen für eine Modernisierung, die das Bestehende bewahrt und schützt? Arschak Budarjan und sein doppelgängerhafter Antagonist Gurgen Parsadanjan setzen wie in einem Schachspiel Zug um Zug, um am Ende mit ihrer Vision als Sieger aus dem Kampf hervorzugehen. Doch zu welchem Preis? Auf dem Spielfeld der Stadt im Umbruch führt Mkrtitsch Armen diese weltanschauliche Auseinandersetzung auf. Er beschwört das alte Jerewan und seine Bewohner, das Leben auf den Straßen und in den Häusern herauf, er gibt sich den Träumen hin, während die Abrisstruppen schon unterwegs sind und die Schönheit der traditionellen orientalischen Welt dem Untergang geweiht ist.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 17.06.2026
Wunderbar findet Rezensentin Stephanie von Oppen diese Veröffentlichung, macht sie doch einen Klassiker der armenischen Literatur auf Deutsch zugänglich. Mkrtitsch Armen hatte den Roman ursprünglich zwischen 1927 und 1931 geschrieben, er entstand in einer Zeit, in der in Armenien nach dem Völkermord im Osmanischen Reich viele Hoffnungen auf eine Wende zum Guten durch die Sowjetisierung des Landes gesetzt wurden. Im Zentrum der Handlung sehen zwei Architekten, die den Neubau der Stadt Jerewan organisieren sollen: Gurgen Parsadanjan lehnt alles traditionell Armenische als rückständig ab, Arschak Budarjan hingegen, der selbst aus Jerewan stammt, wird zu seinem Gegenspieler, der die traditionellen Materialien bei der Neugestaltung bewahren will. Armen arbeitet viel mit Dopplungen und Spiegelungen, beschreibt Oppen, was damit beginnt, dass die beiden Kontrahenten sich ausgesprochen ähnlich sehen. Insgesamt liest die Rezensentin einen reichhaltigen, mit feinsinniger Ironie durchsetzten Roman, der von Susanne Yeghoyan, die auch ein Nachwort beisteuert, hervorragend ins Deutsche übertragen wurde.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.03.2026
Für Rezensent Tilman Spreckelsen hat Mkrtitsch Armen mit seinem 1931 vollendeten Roman über einen Architekten, der die neue armenische Hauptstadt im kommunistischen Sinne umgestalten soll, sowohl dem alten wie dem neuen Jerewan ein Denkmal gesetzt. Vieles im Text ist realistisch geschildert, bekommt aber eine traumhafte Note, so Spreckelsen, der Armens Darstellung raffiniert findet, auch, weil er dem an die reale Person des Architekten Alexander Tamanjan angelehnten Protagonisten Spiegelbilder und Doppelgänger an die Seite stellt, die seine architektonischen Prämissen in Frage stellen. Susanna Yeghoyans Übersetzung findet Spreckelsen beschwingt
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